Bundesamt: Lübecks Natur zählt zu den Top 30 in Deutschland
Lübeck hat einen ökologischen Ritterschlag vom Bund erhalten: Die Naturräume gehören wegen ihrer großen Artenvielfalt zu den kostbarsten Biotopen Deutschlands.
„Heiße Flecken“ (Hotspots) nennt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) Regionen, die ökologisch herausragen und wegen ihrer biologischen Vielfalt außerordentlich schutzwürdig sind. Das Bundesamt hat Deutschland „durchforstet“ und einen komplizierten Kriterienkatalog entwickelt, um diese „Hotspots“ festzulegen. Jetzt liegt das Ergebnis vor. In Deutschland gibt es insgesamt 30 dieser ökologischen „Hotspots“. Zu ihnen gehören nach Untersuchungen des BfN unter anderem die Allgäuer Alpen, die Fränkische Alp, der Thüringer Wald, der Harz, die Wümme-Niederung, die Brandenburgische Seenplatte und die Schorfheide. Schleswig-Holstein hat zwei Naturräume, die sich „heiße Flecken“ nennen dürfen: die Ostseeküste mit Angeln, Schwensen und Dänischer Wohl und das Lübecker Becken, das länderübergreifend gemeinsam mit der Westmecklenburgischen Ostseeküste als eine Naturregion ausgezeichnet wurde.
Freude über gute Noten
Dr. Ursula Kühn, Leiterin des Bereichs Naturschutz, legte gemeinsam mit Umweltsenator Bernd Möller (Grüne) die Ergebnisse der BfN-Studie vor und freute sich über die guten Noten des Bundesamtes. „Lübeck weist die höchste biologische Vielfalt in Schleswig-Holstein auf und erreicht die viertbeste Gesamtbewertung aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland“, hob die Biologin hervor.
Finanzielle Vorteile
Regionen, die zum „Hotspot“-Gebiet erklärt werden, haben dadurch zwar nicht den Status von Schutzgebieten, (viele sind es in Teilbereichen längst), aber es gibt erhebliche finanzielle Vorteile. Denn künftig erhält Lübeck vom Bundesamt Zuschüsse von 75 Prozent (einschließlich der Personalkosten) für Artenschutzprojekte in diesen Naturräumen.
"Unerwartetes Arteninventar"
Innerhalb Lübecks wurden vor allem die nördlich und östlich gelegenen naturnahen Gebiete ausgewählt: das Brodtener Steilufer, der Priwall, der Dassower See, die Traveförde, das Dummersdorfer Ufer, der Schellbruch, die Teerhofsinsel, das Lauerholz, das Wesloer Gehölz, die Wakenitz und die Grönauer Heide. Nach Aussage des BfN hat das Lübecker Becken ein „vergleichsweise herausragendes und unerwartetes Arteninventar“.
Einzigartige Biotope
Geologisch beschrieben wird das Lübecker Becken als eine Grenz- und Küstenlandschaft. Diese umfasst die Wakenitz-Rinne mit flussbegleitenden Bruchwäldern, trockene Sand- und Dünenfeldern, Heidegebiete und Magerwiesen in enger Verzahnung mit städtischen Siedlungsfeldern. Und die natürlichen Kostbarkeiten dieser vernetzten Biotope werden weiter gesteigert durch die Untertrave-Förde mit ihren Lagunen, Salzwiesen, Röhrichtfeldern und ganz speziellen Waldtypen. Zu den einzigartigen Biotopen zählen auch die von Trockenrasen geprägten Uferhänge, die Ostsee-Steilküste und die Strand-Dünen-Nehrung. Diese abwechslungsreichen Lebensräume locken Tiere an und verwurzeln seltene Pflanzen. In Lübeck gibt es 1071 Farn- und Blütenpflanzen, das ist mehr als ein Drittel des gesamten deutschen Artenbestandes. Mit 170 Brutvogelarten ist Lübeck die Heimat von mehr als der Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Vogelarten. So ist der Dassower See Rastgebiet und Heimat für 30 000 Vögel.
Attraktivitätssteigerung
Die Anerkennung als „Hotspot“-Gebiet wird zu einer „weiteren Attraktivitätssteigerung unserer Region führen“, ist Bernd Möller überzeugt. Dies werde eine „touristische Signalwirkung“ haben. Der Umweltsenator verwies darauf, dass der Lübecker Senat kürzlich eine Landschaftsplanung für den Artenschutz verabschiedet habe, die jetzt in den politischen Gremien diskutiert werde. Möller betonte, dass Lübeck bei der Planung künftiger Siedlungsgebiete auf den ökologischen Ausgleich achten müsse.(Text: Torsten Teichmann, Foto: Ruge)
Was ist ein Hotspot?
Der Begriff „Hotspot“ (auf Deutsch: heiße Flecken) stammt aus der Geologie. Er bezeichnet Zentren vulkanischer Aktivität, die durch thermische Anomalien im tieferen Erdmantel entstehen. Bei der Bewertung von Naturregionen durch das Bundesamt für Naturschutz werden mit „Hotspot“ durch ihre Artenvielfalt ins Auge fallende Biotope bezeichnet, die unterschiedlichsten Pflanzen-, Farn- und Tierarten einen Lebensraum bieten. So leben in der gesamten Traveförde bis zu 90 000 Wasservögel. Das Brodtener Ufer ist eine der größten Uferschwalbenkolonien Mitteleuropas, das Dummersdorfer Ufer ist der Lebensraum von mindestens 20 Pflanzenarten, die in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedroht sind. Dazu gehören Mondraute, Deutscher Ginster, Baltischer Enzian und Wiesenküchenschelle. Auch die Grönauer Heide gilt als eines der artenreichsten und für den Naturschutz wertvollsten Gebiete in Schleswig-Holstein.
Foto oben: Die Wakenitz mit ihren Auen wird auch der Amazonas des Nordens genannt. Der Fluss ist Teil der „Hotspot“-Kartierung.
04.02.2012, PK
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