Sorgenkind Autobatterie
Die Stromspender im Pkw gehören zu den größten Sorgenkinder der Kraftfahrer. Wer keinen Ausfall bei Kälte fürchten möchte, dem sei ein Test in der Meister-Werkstatt empfohlen. Dieser dauert nur wenige Minuten.
Zwölf Jahre war der VW Golf des älteren Herrn mittlerweile alt. Er arbeitete immer noch mit der ersten Starterbatterie. Und das tadellos, wie der stolze Besitzer betonte. Angesichts des nahenden Winters und einer 700 Kilometer langen Tour Richtung Süden drängte der Fahrer nun aber auf den Austausch des Akkus. „Ein solcher vorbeugender Wechsel macht absolut Sinn", erklärt Jochen Schnack. „Ältere Batterien können sich ohne vorherige Anzeichen schlagartig entleeren." Der 48-jährige Chef der Lübecker Dekra-Niederlassung staunt über den Stromspender-Oldie. „Üblicherweise muss nämlich eine Batterie nach vier bis fünf Jahren ersetzt werden."
Denn sie waren und sind das große Sorgenkind der Kraftfahrer: Kaum fällt die Anzeige des Thermometers unter null Grad Celsius, machen viele von ihnen schlapp. Allein die Straßenwachtfahrer des ADAC leisteten im vergangen Jahr bundesweit mehr als 900 000 Starthilfen!
„Wer auf den ersten Frost wartet, um Gewissheit zu erlangen, ob seine Fahrzeugbatterie den Winter überlebt, lässt in der Praxis vielfach eine Menge Nerven und muss mitunter kräftig zuzahlen", warnt auch Helmut Schmaler. Der 62-jährige Diplom-Ingenieur beschäftigt sich beim ADAC seit 27 Jahren vor allem mit Batterie-Fragen. Er weiß, dass bei plötzlichen Minusgraden der Markt mitunter völlig verrückt spielt. „Für Markenbatterien sind dann locker mal zehn bis 20 Prozent Preisaufschlag drin."
Da entsprechende Produkte nicht in ausreichender Zahl sofort verfügbar sind, weichen die Kunden unter anderem auf Angebote in den Baumärkten aus. Diese locken laut Schmaler häufig mit Billig-Offerten für Akkus mit „schlechter Qualität". So kosten beispielsweise Batterien mit einer Kapazität von 70 bis 74 Ampere-Stunden für die Kompaktklasse hier häufig um die 70 bis 80 Euro. Bereits die Testergebnisse für Marken-Produkte zeigen aber, dass es vor allem am Kaltstartverhalten hapert (siehe Beitrag unten). Die vermeintliche Freude über die Billig-Angebote halte sich da schnell in Grenzen, erklären die Experten.
Der Spezialist im Technikzentrum des größten europäischen Automobilclubs im bayerischen Landsberg empfiehlt einen Leistungstest der Batterie in einer Fachwerkstatt. Vor allem für ältere Akkus ist dieser Check enorm wichtig. Zeigen doch die Statistiken, dass die Ausfallhäufigkeit bei Batterien, die älter als vier Jahre sind, rasant zunimmt.
Herkömmliche Akkus sind zumeist wartungsarm. Im Klartext: Die bei älteren Fabrikaten mögliche Kontrolle des korrekten Säurestandes ist unmöglich. Gleiches gilt für das Nachfüllen des für den Ladevorgang im Akku wichtigen destillierten Wassers. Gleichwohl kann der Fahrzeugführer dafür sorgen, dass die Pole der Starterbatterie sauber und nicht oxidiert sind.
„Deutliche Zeichen, dass der so wichtige Stromspender im Pkw müde wird, ist gerade bei kühlen Temperaturen ein zähes Startverhalten des Motors", erläutert der Sachverständige Schnack. „Vor allem der häufige Kurzstrecken-Verkehr und lange Standzeiten sind Gift für diese wichtigen Bauteile. Das zeigen auch die Ergebnisse der Hauptuntersuchungen", betont der Fachmann.
Ein Tipp der Kfz-Fachleute: Zum Testen des Ladezustandes der Batterie sollte bei Dunkelheit vor dem Starten das Abblendlicht eingeschaltet werden. Nimmt die Lichtleistung beim Startvorgang spürbar ab, ist es um die Batterie schlecht bestellt. Zur Sicherheit sollte man bei der Meister-Werkstatt vorbeischauen und einen Batterietest vornehmen lassen", rät Schnack. Dieser sei in etwa zehn Minuten erledigt. (Text: Volker Penne, Foto: Roeßler)
Foto: Der Lübecker Dekra-Sachverständige Markus Knorr
prüft die ordnungsgemäße Befestigung einer Starterbatterie.
13.11.2011, PK
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