Sommerhit mitten im Winter auf Lübecker Tanzflächen
„Ai se eu te pego": Schon Fußballstar Ronaldo machte den brasilianischen Partytanz bekannt. Jetzt stimmen auch junge Lübecker mit ein.
Draußen ist es kalt. Drinnen kommen heiße Rhythmen aus den Lautsprechern: „Nossa, nossa". Errötete Gesichter, Lachen. Bei Anne (15) und Frederike (15) sitzen die Hüft- und Armbewegungen. Erst strecken sie die rechte Hand nach vorne aus, dann die linke. Als nächstes werden die Arme ruckartig nach hinten gezogen. „Jetzt rechts schauen, links schauen, fächern", ruft Tanzlehrer Olaf Huber-Beuss. Er und Frau Bettina lehren dem Bronze-Kurs den aktuellen Partytanz zu dem brasilianischen Hit „Ai se eu te pego". Was soviel bedeutet wie „wenn ich dich kriege".
Foto: Olaf und Bettina Huber-Beuss zeigen den Partytanz zum Lied „Ai se eu te pego". Dabei sind Armbewegungen ein wichtiger Bestandteil.
Pumps und Parkett
Statt barfuß am Strand von Rio de Janeiro wird in einem Saal - teils auf Pumps - auf Fischgräten-Parkett getanzt. Die Discokugel glitzert. Manch einer der rund 40 Jugendlichen bewegt sich noch ein wenig nordisch steif statt brasilianisch rhythmisch. Nach wenigen Versuchen werden aber alle lockerer. „Ich kenne den Tanz schon von Mitschülern", sagt Anne. Voller Ehrgeiz will sie nun die Schritte und Bewegungen zu dem Charthit von Latino-Sänger Michel Telo perfektionieren. Bekannt geworden ist das Lied vor allem durch Fußball-Stars wie Cristiano Ronaldo und Neymar, die nach Toren dazu tanzen. Ailton demonstrierte seine Bewegungen dazu vor laufenden Kameras im Dschungelcamp. Nun ist der Sommerhit mitten im Winter auch in Lübeck angekommen.
Volle Kurse
Von einem verstaubten Image bei Tanzschulen kann daher keine Rede sein. Man bediene sich nicht alter Kamellen, versichert Bettina Huber-Beuss. Es sei wichtig, mit der Zeit zu gehen. So bescherten auch Tanzshows wie „Let's dance" der Tanzschule volle Kurse. „Für Jugendliche ist es wichtig, etwas in einer Gruppe zu machen, andere kennenzulernen. Dabei darf man sich auch ruhig mal vertanzen, es soll schließlich Spaß bringen", sagt Frank Köbnik von der Tanzschule Frank. Das Konzept ging auch schon beim Lambada, Macarena-Tanz oder dem Ketchup-Dance auf. Der Vorteil der Tänze: Es ist eine leicht erlernbare Choreografie, der Erfolg ist schnell sichtbar. „Innerhalb von zehn Minuten haben die Teilnehmer es oft drauf", sagt Jan Dietz von der Tanzschule Dietz. Auch sie bieten den Tanz in den Kinder- und Jugendkursen an. Die Tanzschule Wollgast plant sogar einen extra Kurs für den Partytanz: Start ist am 22. Februar. „Ich glaube, der Tanz wird sich vor allem bei Jugendlichen durchsetzen", sagt Wolfgang Wollgast.
Moderne Ansätze
Nicht nur Anne und Frederike gefallen die Musik und die Bewegungen. Auch Lennard und Orlando machen begeistert beim Tanzen mit. Angemeldet zu ihrem ersten Tanzkurs haben sie sich alle, weil „es irgendwie dazu gehört". Lennard weiß, dass schon sein Vater als Jugendlicher einen Tanzkurs gemacht hat. „Veraltet ist es aber nicht, da es ja moderne Ansätze gibt - wie eben diesen Partytanz", sagt der 15-Jährige. Gibt es noch weitere Vorteile? „Das Eis zu den Mädchen wird schnell gebrochen, weil man sie auffordert", sagt Lennard. Nur Orlando gibt zu, dass er anfänglich skeptisch war. „Ich dachte, es ist irgendwie komisch und bestimmt trete ich anderen auf die Füße", so der 19-Jährige. Dann hat doch alles geklappt und nun kann er sich sogar vorstellen, zu dem lateinamerikanischen Ohrwurm in der Disco zu tanzen. Die Grundbewegungen hat er zumindest schon jetzt drauf.
Tänze aus Südamerika
Lateinamerikanische Tänze sind in: Samba, Rumba oder Zumba, eine fitnessorientierte Version, können auch zu aktueller Chartmusik getanzt werden. Charakteristisch sind Drehungen und Hüftbewegungen. Die ursprüngliche Samba wurde von afrikanischen Sklaven nach Brasilien gebracht, die Rumba entwickelte sich in Kuba, und Zumba ist eine Kombination aus Tanz- und Aerobic-Elementen, die in den 90er-Jahren in Kolumbien entstand.
(Text: Nina Holley, Foto: Roeßler)
19.02.2012, PK
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