Ehrenamt springt ein, wo Politik aussetzt
Ohne freiwillige Helfer wie den Meeresbiologen Bernd Sahlmann bekämen viele Einrichtungen im Land Probleme.
Cismar - Seine große Leidenschaft sind Muscheln und Schnecken aller Art. Wenn Bernd Sahlmann von Mollusken, Scaphopoden und anderen Weichtieren berichtet, fangen seine Augen vor Freude an zu strahlen.
Als der studierte Meeresbiologe aus Kappeln an der Schlei nach seinem Studium vor knapp 40 Jahren jedoch keinen Job in diesem Bereich fand, orientierte er sich um. Er zog nach München und arbeitete in der Medizintechnik. Aber die Biologie und insbesondere die Wissenschaft über das Leben im Meer ist immer seine große Leidenschaft geblieben.
Kaum war der jetzt 66-Jährige im Ruhestand, zog er zurück in den Norden und widmete sich wieder intensiv der Biologie. Nur kurze Zeit nach seinem Umzug machte Sahlmann Bekanntschaft mit Vollrath Wiese. Der Biologe aus Cismar leitet das „Haus der Natur“ - ein ehrenamtlich geführtes Museum für heimische Naturkunde. Schnell merkten die beiden, dass sie viele gemeinsame Interessen haben. Und schnell merkte Sahlmann, dass er sich im „Haus der Natur“ engagieren will.
„Das Museum ist einfach eine großartige Sache, die man unbedingt unterstützen muss“, sagt Sahlmann. Mehrmals die Woche kommt der Meeresbiologe nun aus Oldenburg nach Cismar, um im Haus mitzuarbeiten. Ein Leben ohne Ehrenamt ist für ihn kaum noch vorstellbar.
Der 66-Jährige untersucht die verschiedenen Exponate, katalogisiert die Bestände, pflegt die große Bibliothek und führt zusammen mit seinem Kollegen und Freund Wiese die Besuchergruppen durch das Museum. Um die vielen jungen Besucher von seiner Leidenschaft zu begeistern, spricht er bei seinen Ausführungen gerne von „Mördermuscheln“ und „Killerschnecken“. Er weiß genau, wie er sich bei seinem Publikum ein Ohr verschafft.
„Der Spaß an der Sache ist einfach das aller Wichtigste“, erzählt Sahlmann. Durch seine Arbeit möchte er die Besucher des Museums für die Natur und ihre Einzigartigkeit begeistern. „Wenn man nur ein paar junge Menschen erreicht, hat man schon sehr viel gewonnen.“
Neben seinem direkten Engagement im Museum selbst ist er auch Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Naturkunde in Cismar. Um den Erhalt des Museums zu gewährleisten, ist er mit seinen Vereinskollegen immer auf der Suche nach möglichen Spendern und finanzieller Hilfe. Ohne den Einsatz des Vereins und den vielen ehrenamtlichen Helfern könnte das Museum nicht existieren. Finanzielle Unterstützung vom Land bekommt das Haus der Natur nicht.
Eigentlich sei die Förderung und der Erhalt von Kultur- und Bildungseinrichtungen die Aufgabe des Bundes und des Landes, findet Wiese. Wenn diese jedoch ihren Pflichten nicht nachkommen, müsse man sich eben irgendwie selber helfen. „Dann springt das Ehrenamt genau da ein, wo die Politik aussetzt“, erklärt Wiese.
Zusammen mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern aus dem Museum und den Helfern vom Verein wird Sahlmann auch auf der Ehrenamtmesse in Oldenburg am 4. März vertreten sein. Ihr Ziel dort ist es, die Menschen für die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit zu sensibilisieren. „Und vielleicht können wir ja auch den ein oder anderen für die Arbeit hier bei uns in Cismar gewinnen“, hofft Sahlmann.
Auch auf den Austausch mit anderen Ehrenamtlichen aus verschiedenenVereinen und Institutionen freut sich der Hobbyforscher bereits. „Man kann immer viel voneinander lernen. Und die Messen sind der ideale Ort dafür“, sagt Sahlmann. Der Kontakt zwischen den verschiedenen Vereinen sei sonst, bis auf wenige Ausnahmen, leider kaum vorhanden. (Text: Lucas Braun, Foto: Wolfgang Maxwitat)
Ehrenamtmesse in Oldenburg am 4. März: www.ehrenamtmesse.de
Foto oben: Meeresbiologe Bernd Sahlmann engagiert sich ehrenamtlich im „Haus der Natur“ in Cismar (Kreis Ostholstein).
31.01.2012, PK
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