Seniorentreffs in Ostholstein
Es gibt in Ostholstein zahlreiche Angebote, um Seniorinnen und Senioren aus der Isolation zu holen. Die Treffs spielen als „Kontaktbörse im Alter" dabei eine besonders große Rolle.
Die Einsamkeit im Alter kommt oft plötzlich. Das Ausscheiden aus dem Beruf oder gar der Tod des Partners lässt viele ältere Menschen in ein tiefes Loch fallen. Doch Seniorenbeiräte, Wohlfahrtsverbände, Kirchengemeinden oder Vereine bieten Auswege aus der Isolation. Die Seniorinnen und Senioren müssen sie nur beschreiten.
Titelbild: Ingrid Müller (70), Inge Küsters (76) und Ilse Schmolinsky (87) dreschen gern einige Runden Skat.
Klaus Osterndorff hat das getan. Ein halbes Jahr nachdem seine Frau verstorben war, besuchte er das erste Mal den Grömitzer Seniorentreff. „Das hat mir geholfen, wieder Fuß zu fassen", ist der 84-Jährige überzeugt. Was hier geboten werde, die Gemeinschaft, die Veranstaltungen, das sei genau das, „was man als Alleinlebender braucht", sagt er. Wie ihm geht es auch Günter Kiesewetter. Obwohl der rüstige 87-Jährige viele Kontakte hat, ist er „froh, dass es den Treff gibt". Er freut sich auf den Dienstagnachmittag, auf den Klönschnack und darauf, mit Erich Winko (88) und Achim Schäfer (54) Skat zu dreschen.
Erich Winko (88)
Die Männer und auch einige Frauen treffen sich allerdings nicht nur im Seniorentreff, sondern auch auf dem Mehrgenerationen-Aktivplatz im Kurpark zum Boule-Spiel. Hier hat auch Youngster Achim Schäfer die Senioren kennengelernt. Dieser Aktivplatz, sagt die Vorsitzende des Grömitzer Seniorenbeirats Antje Steen, sei wirklich ein gutes Beispiel dafür, dass ein passgerechtes Angebot auch gut angenommen wird - und zwar von allen Generationen. Denn einmal abgesehen davon, dass der eigene Wunsch und Antrieb nötig ist, um sich auf die gemachten Angebote einzulassen, müssen auch die „Anbieter" ihre Aktivitäten und Vorhaben auf Machbarkeit, Tages- und Uhrzeit und ganz wichtig auf Barrierefreiheit prüfen", gibt Antje-Marie Steen zu bedenken.
In Grömitz scheint das Angebot zu stimmen. Rund 42 Seniorinnen und Senioren, vor allem Frauen und vor allem Alleinstehende, kamen am vergangenen Dienstag zum wöchentlichen Klönschnack zusammen, der vor gut zwei Jahren in Räume der Gildehalle umgezogen ist, nachdem der erste Treff im kleinen Anbau am Rathaus aus allen Nähten platzte. Diese Gefahr besteht für den Oldenburger Treff in der Schuhstraße nicht. Zum einen, weil er viel Platz bietet, zum anderen, weil so viele wie früher heute nicht mehr kommen. „Menschen, die jetzt ins Seniorenalter kommen, sind noch sehr mobil und fühlen sich oft noch zu jung für den Seniorentreff", hat Erwin Jenett beobachtet. Allerdings gilt auch: „Wer einmal da war, kommt immer wieder" - entweder montags und freitags zum Skatspielen oder mittwochs zum Kaffeetrinken, zum Klönschnack, zu Vorträgen, Musikdarbietungen, Betriebsbesuchen und Treffen mit Lehrern und Schülern - und zum Seniorensport. Erst kürzlich, berichtet Jenett, habe eine Frau ihn angerufen und geklagt, sie sei so allein. „Dann kommen sie doch zu uns", hat er sie aufgefordert. Sie hat's getan und ist heute glücklich, sich aufgerafft zu haben.
Günter Kiesewetter (87)
Ilse Schmolinsky (87), Inge Küsters (76) und Ingrid Müller (70) müssen sich nicht erst aufraffen. Im Gegenteil. Jeder Dienstag ist dick angestrichen im Kalender. Doch damit nicht genug. „ Mittwochs gehen wir auch noch zum Aqua-Jogging und anschließend frühstücken", berichtet Inge Küsters, die wie Renate Guddat (71) und Gerda Kordts (77) von Anfang an im Grömitzer Klönschnack aktiv ist. Für Johanna Schubert und Rosemarie Simonsen ist es wie für alle, die rüstig genug dazu sind, außerdem selbstverständlich, dass sie auch den Küchendienst mitübernehmen. Denn wie hatte es Ilse Schmolinsky gesagt: „Etwas tun hilft gegen Einsamkeit."(Text und Fotos: Jutta Colschen)
Die Erfolgsstory des Internet-Cafes für Senioren
2 Jahre ist es her, dass der Seniorenbeirat Grömitz in der Alloheim Seniorenresidenz Grömitzer Höhe das Internet-Cafe eröffnete. Es war von Anfang an ein Riesenerfolg.
12 Seniorinnen und Senioren mindestens, häufig aber noch mehr, treffen sich seitdem mittwochs und sonnabends von 10 bis 12 Uhr im Internet-Cafe. Sie surfen im Netz, schreiben E-Mails oder bearbeiten digitale Bilder. Besonders wichtig für die Besucher ist es, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, PC-Probleme zu besprechen, sich gegenseitig zu helfen oder Hilfestellung von dem Betreuerteam zu erhalten. Betreut wird das Internet-Cafe von den Mitgliedern des Seniorenbeirats, Inge Brix und Arnold Stendel. Wer hat, kann seinen eigenen Laptop mitbringen, ansonsten können die vorhandenen PC's kostenlos benutzt werden.
Arnold Stendel und Inge Brix betreuen das Internet-Cafe.
Kontakt: Inge Brix (045 62/6234) oder Arnold Stendel (045 62/25 80 1).
27.01.2012, PK
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