Pilze drangsalieren weiter unsere Eschen
Keine Entwarnung in den Kreisforsten: Erhebliche Bestände schon verloren, Ende der Probleme nicht absehbar.
Ratzeburg/Mölln - Der Gesundheitszustand der lauenburgischen Eschen bereitet den Forstleuten weiterhin schwere Sorgen: „Leider ist es so, dass es keine Entwarnung gibt. Der Gesundheitszustand der Eschen ist weiterhin sehr ernst“, berichtet der Leitende Kreisforstdirektor Franz Sales Fröhlich (Foto). Der parasitäre Pilz, das Falsche Weiße Stengelbecherchen, drangsaliert die Bäume seit Jahren europaweit und ist weiterhin nicht zu stoppen.
Phasen scheinbarer Erholung
Im Kreisgebiet gibt es nach den Beobachtungen der Forstexperten im Jahresverlauf und nach Standort und Alter immer wieder Phasen, in denen es nach einer Verbesserung in den Eschenbeständen aussieht.
Langfristige Verschlechterung
„Aber über einen längeren Zeitraum hinweg müssen wir dann doch eine Verschlechterung des Gesamtzustandes feststellen“, sagt der Chef des Eigenbetriebes Kreisforsten. Genaue Zahlen haben er und seine Kollegen nicht. Tatsache sei aber, dass Jung- eschen flächenhaft abstürben oder schon Totholz seien.
Unterschiedliche Symptome
Weiter berichtet der Kreisforstdirektor: „Ältere Eschen zeigen je nach Standort unterschiedliche Schadsymptome. Auf moorig, nassen Standorten ist der Zustand deutlich schlechter und besorgniserregend. Hier stehen auch Zwangsnutzungen an, um das Holz nicht entwerten zu lassen. Auf mineralischen, trockenen Standorten ist der Zustand wesentlich besser und keine Absterbeerscheinungen fest zu stellen.“ Fröhlich rät von der Anpflanzung von Eschen ab, weil gerade die Jungbäume schnell erkrankten. Über den Markt für Eschenholz berichtet Fröhlich von zurzeit sehr guten Preisen. Angesichts der fehlenden Aufforstung werde es in etwa 100 Jahren kaum noch Eschenholz geben.
Jede zweite Esche befallen
Aus den Forstflächen östlich der Kreisgrenze wird berichtet, dass sich die Zahl der kranken Eschen innerhalb von drei Jahren in Mecklenburg-Vorpommern verdoppelt habe. Nach diesen Zahlen ist statistisch gesehen dort schon jede zweite Esche von aggressiven Erregern befallen. „Von rund 15 000 Hektar Eschenfläche sind jetzt 47 Prozent geschädigt“, sagt Thomas Holst von der Landesforstanstalt Malchin bei Neubrandenburg. Der gefährliche Eschen-Pilz - das Falsche Weiße Stengelbecherchen Der Verursacher des Eschentriebsterbens wurde erst 2010 identifiziert. Es handelt sich um eine besondere Schlauchpilz-Art - das Falsche Weiße Stengelbecherchen (Hymenoscyphus pseudoalbidus).
Infizierte Blätter
Dieser Pilz entwickelt sich im Sommer auf abgeworfenem Eschenlaub des Vorjahres. Die Fruchtkörper bilden Sporen, die vom Wind übertragen werden und die Blätter infizieren. Von dort befällt die Krankheit auch Zweige und Äste der Eschen. Dadurch sterben Triebe und Kronenteile der Bäume ab.
Eschensterben seit den Neunzigern
Das Eschentriebsterben breitet sich seit Mitte der 1990er Jahre von Norden aus in ganz Europa aus. In Deutschland wurden in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein 2002 erste Fälle bekannt. In Schweden steht die Esche bereits auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Pflanzen. (Text und Fotos: Martin Stein)
17.09.2011, PK
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