Stormarner verfilmen ihre Wünsche, Utopien und Träume
Mit dem Projekt W.U.T. regt eine Bargteheiderin zum Nachdenken über das eigene Leben an.
Er filmte das Wasser am Mühlenrad in der Oldesloer Innenstadt. Wie es mitten im Hochwinter durch eine dicke Eiskruste nur noch spärlich tröpfelte. Irgendwann in den kalten Nächten zuvor war es fast erstarrt. „Wasser", sagte Christian Beier aus Rethwisch, „ist ein gutes Gleichnis für das Leben".
Foto: Christian Beier aus Rethwisch gehört zu einer Gruppe Erwachsener, die sich filmerisch mit ihrem Leben auseinandersetzen.
Dokumentation über das Erwachsenwerden
Der ehemalige Lehrer gehört zu einer Gruppe von Filmern, die eine Antwort geben wollen auf das, was zuvor zehn Jugendliche aus Hammoor, Ahrensburg, Bargteheide und Berlin über ihr Leben, über ihre Wünsche, Utopien und Träume in bewegten und bewegenden Bildern festgehalten haben. Eine Dokumentation über das Erwachsenwerden. Jetzt entsteht gewissermaßen die Antwort. Ein Film über das Erwachsensein.
Ganzheitliches Denken
Angeregt wurden beide Projekte von der Bargteheider Heilpraktikerin Helga Lütjens. Die praktiziert „eine ganzheitliche Heilmethode". Die Menschen sollten tun, was sie schon immer tun wollten, lautet ihre Devise. Dann würden sie auch gesund bleiben oder werden. Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Projekt wurde geboren, als die pensionierte Lehrerin beim Kinderärzte-Kongress über die Pubertät referieren sollte. „Aber dazu war ich viel zu alt", sagt sie heute. „Das habe ich abgelehnt."
Eine reiche Region
Viel besser schien es ihr, die jungen Menschen auf dem Weg ins Erwachsensein selber dazu zu bringen, von sich zu berichten. Schonungslos, mit entwaffnender Ehrlichkeit haben dann Zwölf- bis 18-Jährige in die Kamera gesprochen. Auch zwei obdachlose Kinder aus Berlin waren dabei. Deren Schicksal habe die Stormarner Kinder und Jugendlichen nachhaltig beeindruckt. „Denn obdachlose Kinder gibt es in Stormarn nicht", weiß die Heilpraktikerin, die Region sei reich.
Sicht der Älteren auf das Leben
40 Minuten voller eigener Gefühle. Auch den pensionierten Lehrer Christian Beier hat der Film beeindruckt. Und nun will er dazu beitragen, die Sicht der Älteren auf das Leben zu dokumentieren.
Elf Stormarner zwischen 30 und 70
„Die Erwachsenen sollen darstellen", sagt Lütjens , „welche Träume sie als junge Menschen hatten und was daraus geworden ist. Was verschüttet, was verwirklicht wurde." Elf Stormarner zwischen 30 und 70 Jahren erzählen. Im Herbst soll der Streifen fertig sein. Auch er soll W.U.T. heißen. Wünsche, Utopien, Träume. „Schreiben Sie das genau so", sagt Helga Lütjens. Denn mit „Wut" habe der Film nichts zu tun. „Bei den Jugendlichen jedenfalls nicht".
(Text und Foto:: Uwe Krog)
13.02.2012, PK
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