Bundesverdienstkreuz für Walforscher Gerhard Höpfner
Als Kind fand er einen versteinerten Seeigel, später sogar Millionen Jahre alte Skelette im Herzogtum Lauenburg. Der Walforscher Gerhard Höpfner hat jetzt das Bundesverdienstkreuz bekommen.
Sein Interesse für Fossilien entbrannte wegen eines versteinerten Seeigels. Gerhard Höpfner war fünf Jahre alt. Sein Vater erklärte ihm damals, was das war, das er in den Händen hielt. „Er hat maßgeblichen Anteil daran, dass Fossilien eine so große Bedeutung in meinem Leben haben.“
Rippen, Wirbel, Schädel und Skelette
Glück habe der gebürtige Soltauer gehabt, dass sein Vater für wasserrechtliche Genehmigungen zuständig war. So wusste Gerhard Höpfner immer genau, wo neue Kiesgruben entstehen sollten. „Er nahm mich mit auf Dienstreisen, setzte mich in der Kiesgrube ab und sammelte mich am Abend samt etlicher Steine wieder ein“, sagt der 62-Jährige. Doch über Privates möchte der Ingenieur und Berufsschullehrer nicht so gern sprechen. Vielmehr über seine Funde, die er in einer Kiesgrube in Groß Pampau im Herzogtum Lauenburg machte: Rippen, Wirbel, Schädel und komplette Skelette. Sie gehören zu Haien, Walen, Robben, Delfinen - die Liste ist lang. Die Augen des Fossilienfans leuchten, wenn er von gefundenen Hairesten, Nachtwachen am Ausgrabungsort und wissenschaftlichen Erkenntnissen spricht. „Man findet in Schleswig-Holstein alles. Es ist ein Bilderbuch der Erdgeschichte.“
Gerhard Höpfner (l.) erhielt in Kiel von Staatssekretär Arne Wulff das Bundesverdienstkreuz.
Zufälle und Hilfsbereitschaft
Dass er das Skelett eines elf Millionen Jahre alten Wals einmal finden würde, hätte er nicht gedacht. Dass er einzigartige Funde machen würde, auch nicht. „Aber ich hatte viel Glück“, sagt der Fossiliensammler. Glück, dass sich aus Zufällen und Hilfsbereitschaft anderer zusammensetzt. „Es war toll, mit dem Delfinforscher Giorgio Pilleri aus Italien zusammenarbeiten zu dürfen.“ Er habe ein Charisma ausgestrahlt, das einem den Atem verschlagen habe. Durch ihn habe Höpfner viele Walforscher kennengelernt. Ein weiterer Glücksfall sei Grubenbetreiber Wolfgang Ohle gewesen. „Er stellte uns seinen gesamten Maschinenbetrieb zur Verfügung: Raupen, Radlader, Bagger.“ Auch dem Museum für Natur und Umwelt in Lübeck hat Gerhard Höpfner viel zu verdanken. „Sie hielten mir immer eine Tür auf“, sagt er, „ich habe ständig meine Funde dorthin bringen dürfen.“
Vorerst keine Grabungen mehr
1967 hatte der in Ratzeburg aufgewachsene Hobbywalforscher die Kiesgrube in Groß Pampau noch für sich allein. Das änderte sich mit dem Fund von hunderten Haifischzähnen. Die Grabungen wurden intensiviert und Höpfner im Laufe der Jahre Vorsitzender der Lübecker Geschiebesammler, mit denen er unentwegt grub und 1984 die ersten Walknochen fand. Heute zählt Groß Pampau zu den bedeutendsten fossilen Grabgemeinschaften Europas. Laut Höpfner liegt dort alle 30 Meter ein Tier, das weitere Erkenntnisse über die Naturgeschichte Schleswig-Holsteins bringen könnte. Vorerst gibt es aber keine Grabungen mehr, auch wenn er hofft, eine zweite Schildkröte zu finden. Ein Manuskript hat Gerhard Höpfner angefertigt. Bald möchte er das Buch verlegen lassen, sucht dafür zurzeit nach Möglichkeiten. Worum es geht? Klar, über die Anfänge, die Funde und die Geschichte des Eiszeit-Geschiebes.
Noch kein Platz für den Orden
Für sein jahrzehntelanges Engagement wurde er jetzt mit dem Bundesverdienstkreuz für Wissenschaft und Forschung ausgezeichnet. „Ich habe es nicht nur bekommen, weil ich Robben und so ausgegraben habe, sondern auch für die Bildungsarbeit.“ Es sei ihm ein Anliegen, dass jungen Menschen die Geologie Schleswig-Holsteins näher gebracht werde. Einen besonderen Platz hat er für seinen Orden noch nicht vorgesehen, denn den hat schon sein erster Fund: Der versteinerte Seeigel liegt auf einem Tisch in der Diele. (ext: Nina Holley, Fotos: F. Peter/ W. Maxwitat)
Das Museum für Natur und Umwelt
11 Millionen Jahre ist es her, dass die Pampauer-Wale lebten. Mittlerweile sind sie die prominentesten Stücke im Museum für Natur und Umwelt. „Darüber hinaus haben wir Daten von über 200 Tieren aus dem Urmeer. Das wollen lebendig darstellen“, sagt Museumsleiterin Susanne Füting. Das soll unter anderem mit Filmanimationen geschehen.
Dafür soll das Erdgeschoss umgestaltet werden. Im Museum an der Musterbahn 8 bieten sich dem Besucher aber noch mehr spannende Einblicke in die Naturgeschichte Schleswig-Holsteins.
Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 9 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags 10 bis 17 Uhr. Erwachsene zahlen sechs Euro Eintritt und Kinder zwei Euro.
Foto ganz oben: Im Museum für Natur und Umwelt: Gerhard Höpfner (62) zeigt einen ersten Blick in sein Manuskript - er möchte es als Buch verlegen lassen.
25.01.2012, PK
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