Foto-Flug über Lübecks Dächern
Ulrich Findeisen hat eine ferngesteuerte Foto-Drohne: Der kleine Apparat fliegt bis zu 100 Meter hoch, von oben schießt der 63-Jährige spannende Bilder. Auf einem Laptop kann er verfolgen, was die Kamera im Visier hat.
Zehn Minuten braucht Ulrich Findeisen, bevor er seine neueste Errungenschaft starten kann. Erst piepst das kleine Geräte, das aussieht wie ein Hubschrauber, dann erhebt es sich leise sirrend in die Luft. Eine Böe schüttelt es ein bisschen, doch schnell hat der 63-Jährige seine Foto-Drohne im Griff. Was aussieht wie ein Hubschrauber mit vier kreuzförmig angeordneten Rotorblättern, ist nämlich ein fliegender Fotoapparat. Eine kleine Kompaktkamera hängt an dem Gerät. Bis zu 150 Meter hoch kann die batteriebetriebene Maschine theoretisch fliegen, 100 Meter sind in Schleswig-Holstein erlaubt. 14 Minuten hält der Akku. Ulrich Findeisen steht unterdessen am Boden und lenkt das kleine Fluggerät, auch Quadrokopter genannt, mit einer Fernsteuerung. Per Funk überträgt die Kamera ihre Bilder auf die Bodenstation. Dort kann Findeisen sehen, ob er ein schönes Motiv im Visier hat und abdrücken.
Drei Jahre lang hat Ulrich Findeisen mit dem Kauf einer Foto-Drohne geliebäugelt, seit ihm sein Sohn ein Video auf Youtube gezeigt hat. Jetzt, nach einem Jahr in Altersteilzeit, hat sich der Bad Schwartauer, der 30 Jahre lang als Reisefotograf für den Schöning Verlag gearbeitet hat, die Ausrüstung gekauft. 10 000 Euro hat er dafür hingeblättert, und das sei noch ein Schnäppchen, sagt er. Eigentlich hatte Findeisen auf ein Motorrad gespart, das muss jetzt wohl warten.
Den Akku setzt Ulrich Findeisen per Hand ein. Damit kann die Drohne dann 14 Minuten in der Luft bleiben.
"Ich möchte nochmal durchstarten", sagt Findeisen. Immer wieder sei er als Fotograf aufgefordert worden, neue Perspektiven zu entdecken, Altbekanntes neu abzulichten. "Mit der Foto-Drohne kann ich das jetzt. " Seit einem Monat übt Ulrich Findeisen an Orten in und um Lübeck: "Mein Herz bumpert immer noch bei jedem Flug. Mir fehlt noch die Routine. " Bei gutem Wetter benötigt er lediglich eine kleine Freifläche, um starten zu können. Bei starkem Wind kann er seine Drohne ohnehin nicht fliegen lassen: "Sie wiegt ja nicht mal ein Kilo, ist also sehr windanfällig. " Außerdem gibt es einige generelle Auflagen: Über Flughäfen, militärische Anlagen und Menschenmassen darf der Quadrokopter nicht fliegen. Auch über große Wasserflächen fliegt Ulrich Findeisen lieber nicht - sicher ist sicher.
Der 63-Jährige hat sich ansonsten aber keine Grenzen gesetzt: "In Lübeck bin ich noch lange nicht durch. Das Holstentor senkrecht von oben kann er sich ebenso vorstellen wie ein Bild der Spitze von St. Petri mit dem Lübecker Markt im Hintergrund. Auch das Burgtor steht noch auf seiner Liste - "da versuche ich seit 30 Jahren, ein tolles Motiv zu finden". Und die Lübecker Wetterhähne will er besuchen, das "Lübecker Geflügel". Ein Foto auf Augenhöhe wäre sein Traum: "Aber dafür muss ich noch etwas üben", sagt Ulrich Findeisen. Doch auch den Rest der Ostseeküste will er nicht aussparen, schließlich gilt seine Aufstiegsgenehmigung für ganz Schleswig-Holstein. Auch die Hauptstadt lockt den Bad Schwartauer: "Das Brandenburger Tor mit der Quadriga im Vordergrund und dahinter die Kuppel des Reichstags wäre ein tolles Motiv", schwärmt er. Wegen des dort herrschenden Flugverbots bleibt dies aber wohl ein Wunschtraum.
Zu Besuch bei den "Fremden": Mit der Foto-Drohne kann Ulrich Findeisen ans Dach der MuK fliegen. Foto: Ulrich Findeisen
Ulrich Findeisen hofft, potenzielle Auftraggeber für seine Arbeit begeistern zu können. "Meine Bilder bieten eine tolle Perspektive, sind aber nicht so teuer wie Luftaufnahmen", wirbt er. Er könne sich vorstellen, dass die Hochbilder wie er seine Werke nennt für Tourismusverbände, Städte oder Industrie interessant seien. Schön anzuschauen sind Ulrich Findeisens Fotos auf jeden Fall. (Text: Ilka Mertz, Fotos: Wolfgang Maxwitat (2))
Weitere Informationen
Wer sich für Ulrich Findeisens Bilder interessiert, kann sich unter Telefon 01 75/334 33 47 melden oder auf www.hochbildnerei.de (noch im Aufbau) informieren. Weitere Informationen über Foto-Drohnen gibt es im Internet auf www.microdrones.de, www.multirotor.de oder www.service-drone.de.
08.06.2011, PK
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