Bei Familie Bergbauer dreht sich alles um ganz heiße Eisen
Manche Hausfrau bekommt schon Ausschlag, wenn sie nur ein Bügeleisen sieht. Die Bergbauers haben etwa 400 Stück zu Hause.
Na gut, mit Arbeit haben die 400 Bügeleisen nichts zu tun, da greift Christa Bergbauer (60) doch eher auf ein leichtes, modernes Dampfgerät statt auf die schweren Eisen zurück. Ein bisschen Arbeit haben die Bergbauers aber schon mit den Geräten aus aller Welt, die aus vergangenen Jahrhunderten stammen, denn schließlich müssen die Sammlerstücke erst aufgearbeitet, dann regelmäßig abgestaubt werden.
Von der Kaffeemühle zum Bügeleisen
Eine Zeitlang sammelten die Gemeindesekretärin und der Graveur Udo Bergbauer (68) alte Kaffeemühlen. Doch 1971, als es gerade schick war, erstanden sie in einem Freiburger Blumenladen ein altes Bügeleisen als Blumendekoration. 1977 bekamen sie ein weiteres von einem Berliner Freund geschenkt. Als sie 1996 von Freunden zu einem Flohmarkt "mitgeschnackt" wurden, erstanden sie ein Bronzeeisen. "Udo, ich glaube, du sammelst Bügeleisen", rief eine Freundin der Bergbauers aus - und damit begann tatsächlich die Sammelleidenschaft.
Mini-Bügeleisen als Nadelkissen - auch das gab es einst.
Für Laien fast unvorstellbar ist die Vielzahl unterschiedlicher Glätt- oder Plättgeräte, die teils - als chinesische Bügelpfanne, die mit heißem Sand oder Kohle gefüllt wurde - aus dem 7./8. Jahrhundert stammen. Da sind die Flach- oder Anlegeeisen für Mutter und Tochter, die vom 16. bis 19. Jahrhundert auf dem Herd erhitzt wurden, das schaufelgroße ägyptische Fußbügeleisen, das beim Plätten großer Gewänder verwendet wurde, Ei-Eisen zum Glätten von Trachtenhauben, Tolleisen für die Röllchen an Pastorenkragen, die vielen Eisen, die mit glühender Kohle gefüllt wurden, Eisen, die mit Spiritus oder Gasoline erhitzt wurden, oder erste elektrische Bügeleisen, die Ende des 19. Jahrhunderts aufkamen.
Internet fördert Sammelleidenschaft
"Am Anfang", sagt Christa Bergbauer, "haben wir alles gesammelt, inzwischen gucken wir, dass wir nur das kaufen, was in der Sammlung noch fehlt. " So manches Eisen haben sie bereits wieder verkauft, um neue anzuschaffen. "Gut, dass es das Internet gibt", meint Udo Bergbauer, "so kann man sich prima informieren, was es alles gibt." Ihr wertvollstes Eisen ist das ägyptische: rund 400 Euro haben die Sammler dafür bezahlt. Ihr Lieblingsstück ist jedoch das Kohleneisen "Berliner Plätte", das ab 1870 gebaut wurde und einen Drachenkopf trägt, aus dem der Dampf entweicht.
Udo Bergbauer ist fasziniert von der Technik. Hier erklärt er seiner Frau Christa, wie ein mit Gasoline betriebenes Bügeleisen aus den 1930er Jahren funktioniert.
Fein säuberlich nach Arten sortiert und blitzblank poliert stehen die Eisen im Hause Bergbauer in Regalen, auf Fensterbänken oder Tischen. Wenn das Ehepaar aus Karlshof die Stücke auf Flohmärkten oder Tauschbörsen erwirbt, sehen sie meist anders aus: alt, abgenutzt, rostig. Doch Graveur Udo Bergbauer rückt ihnen mit der elektrobetriebenen Drahtbürste zu Leibe, "und manchmal drechsle ich auch einen neuen Griff". Regelmäßig besuchen die Bergbauers Sammlertreffen, am Sonntag richten sie erstmals den Norddeutschen Bügeleisensammler-Stammtisch aus. Das Schöne an ihrem Hobby ist, so Christa Bergbauer, "dass man viele Leute kennenlernt und immer wieder trifft - und keiner über Krankheiten spricht!"
18.03.2011, PK
|