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Mein Buch - selbst verlegt

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Mein Buch - selbst verlegt

Immer mehr Autoren veröffentlichen ihre Werke selbst als E-Book. Die neuen Lesegeräte für E-Books machen die Texte leicht zugänglich. Und die Autoren sparen sich zähe, oft erfolglose Verhandlungen mit Verlagen.

 

Ein Buch zu schreiben - diesen Traum erfüllen sich heute viele. Einen Verleger zu finden - das steht auf einem ganz anderen Blatt und ist oft ein erfolgloses Unterfangen. Zwingend notwendig ist das aber auch nicht mehr, zumindest für den, der sich mit Internet und Computerprogrammen auskennt. Viele Autoren veröffentlichen ihre Werke inzwischen selbst als E-Book, statt den teils monatelangen Weg über die klassischen Verlage und das gedruckte Buch zu gehen.

Internet-Marketing

E-Book-Vertreiber sprechen von steigenden Verkaufszahlen und einem Trend hin zur Selbstpublikation. Doch mit der Veröffentlichung ist es nicht getan, denn das Buch soll ja gekauft werden. Auch beim Marketing spielt das Internet die Hauptrolle.

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Das Prozedere ist denkbar einfach

Für Johnny Haeusler (47, links) ist es ein Experiment, auch ein „Social-Media-Experiment“, wie er in seinem Blog „Spreeblick“ schreibt. Der Berliner Autor hat 15 Kurzgeschichten aus seinem beliebten Blog in E-Book-Form gebracht: „I live by the river“ heißt das Buch, für das er vor allem bei Facebook und Twitter wirbt. Es kostet 99 Cent. Reich dürfte der Familienvater damit nicht werden - pro verkauftem Buch erhält er einen Anteil zwischen 35 und 70 Prozent. Rund ein Dutzend Anbieter vertreiben sein Buch.

Nix zu holen?

Er will sehen, wie der E-Book-Markt läuft. Ist dort wirklich nix zu holen, wie manche Verlage sagen? Oder gibt es den Boom, von dem die Vertreiber sprechen? Wie viele Bücher muss man loswerden, um in den Verkaufscharts zu landen? 200 bis 300 Exemplare, schätzt Haeusler nun. Seit Veröffentlichung Mitte Dezember hat er rund 2000 Exemplare verkauft, zwischenzeitlich war „I live by the river“ bei Amazon auf Platz 1 der E-Book-Bestseller in der Kategorie „Anthologien & Kurzgeschichten“. „Damit hatte ich nicht gerechnet, das hätte auch ein totaler Flop werden können“, gibt er zu. Dabei sei das Prozedere einfach gewesen. Mit einer Software hat er das E-Book erstellt. „Der größte Aufwand ist, das Buch zu schreiben.“

Taschenbuch der Zukunft?

Für den Münchener Journalisten Matthias Matting hat das E-Book das Publizieren vereinfacht. „Es hat die Schwelle gesenkt, die man überwinden muss, um etwas zu veröffentlichen“, sagt Matting, der selbst elektronische Bücher publiziert hat. Er bezeichnet das E-Book als „Taschenbuch der Zukunft“.

Kindle stark nachgefragt

Hört man sich bei den Vertreibern um, scheint dieser Eindruck nicht abwegig - auch wenn beispielsweise Amazon keine Verkaufszahlen zu E- Books veröffentlicht. Das Lesegerät Kindle sei jedoch das meistverkaufte Produkt 2011 gewesen. Auch Konkurrenten wie der kanadische Newcomer Kobo äußerten sich zufrieden über das Weihnachtsgeschäft.

Kostenlos auf den Markt

Wie viele der bei Amazon erhältlichen E-Books von den Autoren selbst publiziert wurden und wie viele von Verlagen stammen - auch dazu gibt es keine Zahlen. Viele Autoren nutzten jedoch die Veröffentlichungs-Plattform auf Amazon, teilte das Unternehmen mit. Dort können Autoren kostenlos ihr Buch elektronisch auf den Markt bringen. Zwei der fünf meistverkauften E- Books 2011 stammen aus der Feder von Autoren, die selbst veröffentlichen - einer ist der Journalist Matting mit einer Anleitung für das Lesegerät Kindle.

"Senkrechtes Wachstum"

Beim E-Book-Portal ePubli der Verlagsgruppe Holtzbrinck sieht man einen eindeutigen Trend hin zu Autoren, die sich selbst verlegen. Rund 2000 Werke wurden 2011 über die Plattform angeboten, fast alle direkt von Autoren. Verkauft wurden „mehrere tausend pro Monat“, redet Sprecher Max Franke von einem „senkrechten Wachstum“.

Ein Wettstreit um Aufmerksamkeit

E-Books machen den Zugang zum Buchmarkt einfacher, gleichwohl dürfte es „natürlich für die Leser schwieriger werden, vorzusortieren“, sagt ePubli-Sprecher Franke. Auch Blogger Haeusler ahnt: „Das Buhlen um Aufmerksamkeit wird nicht einfacher.“ Kein Verlag, keine klassischen Rezensionen, kein Abdruck in Buch-Magazinen. Immerhin: „Durch Soziale Netzwerke haben Autoren ganz andere Möglichkeiten, mit dem Leser in Kontakt zu kommen“, so Franke. Ein Problem bleibt in dieser neuen, digitalen Bücherwelt, wie der Kommentar eines Lesers zu Haeuslers „I live by the river“ auf Amazon veranschaulicht: „Und wie verschenke ich das jetzt?!?“ Vielleicht bald als gedrucktes Buch: Haeusler sagt, er habe schon Angebote von Verlagen.

25.01.2012, PK

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