Die auf den Wellen reitet
Das einstige Forschungsschiff „Professor Albrecht Penck“ liegt jetzt in Stralsund. Es wurde1950/51 aus Panzerstahl gebaut und ist optimal für den Ostsee-Einsatz.
Die Stadt am Sund ist um eine Attraktion reicher geworden. Am Hafenkai vor dem Ozeaneum liegt seit einigen Wochen ein berühmtes Schiff: die „Professor Albrecht Penck“, derzeit als eine Art schwimmendes Klassenzimmer genutzt. Im Sommer wird sie dann als Arbeitsplattform für das Wartungspersonal von Offshoreplattformen fungieren. Eine tolle Lösung für eine 60-jährige Lady, nachdem sie 2010 außer Dienst gestellt und dann doch nicht den Stahlkochern übergeben wurde. Der neue Eigner, die Unternehmensgruppe Krebs Wismar, schloss mit dem Deutschen Meeresmuseum Stralsund einen Kooperationsvertrag, der ein zweites Leben für die „Penck“ sichert. Und dieses kann noch lange währen. Das Schiff gilt nämlich in Fachkreisen als „unkaputtbar“. Für seinen Bau wurden 1950/51 aus Panzerstahl gewalzte Platten verwendet. Roststellen in der genieteten Außenhaut sucht man daher bis heute vergeblich. Ein Beispiel gelungener Konversion von Kriegsmaterial. Die spätere „Penck“ lief in der Roßlauer Schiffswerft als 51. Schiff einer Serie von Heringsloggern von Stapel. Die 50 älteren „Schwestern“ gingen in die UdSSR. Umgerüstet in Wolgast zum Vermessungsschiff, diente die „Penck“ dem Seehydrografischen Dienst (SHD) und der Akademie der Wissenschaften Berlin und kam danach zum Institut für Ostseeforschung Warnemünde. Zunächst auf den Namen „Joh. L. Krüger“ getauft, wurde daraus 1960 in Ehrung eines Geografen (1858-1945) die „Professor Albrecht Penck“. Mehrfach wurde in den Werften an dem Schiff „herumgebessert“ - vor allem mussten die Labore für Chemie, Hydrografie, Biologie, der Rechnerraum, die Navigations- und Funkausrüstung, Hebezeuge und Messgeräte stets modernisiert werden. Bis August 2010 galt es als das älteste deutsche Forschungsschiff. Es war mit 38 Metern Länge und bescheidenen 307 BRZ (Bruttoraumzahl) zwar „klein, aber oho!“. Vor einiger Zeit durfte der Autor bei einem Kontrolleinsatz des Instituts für Ostseeforschung mit der „Penck“ dabei sein. Ein Team um Wolfgang Roeder überprüfte Messbojen und den Sauerstoff- und Salzgehalt des Wassers. „Es wird etwas unruhig da draußen“, schmunzelte bei der Ausfahrt der langjährige Kapitän Otfried Albrecht. Draußen auf der Ostsee stand dann eine glatte Windstärke Sieben. Doch der übliche Wellenstoß am Bug blieb aus. „Unsere ,Penck‘ ist eine erstaunliche, den kurzen Wellen der Ostsee gut angepasste Konstruktion“, meinte Steuermann Erich Kranich. „Sie reitet bei ihren langsamen acht Knoten Höchstgeschwindigkeit die Wellen einfach ab.“ Ein halbes Jahrhundert lang absolvierte die Crew etwa 200 bis 250 derartige Einsatztage auf See. Weit über 500 000 Seemeilen waren so zusammengekommen. Ihre weitesten Reisen führten die „Penck“ 1962 unter Kapitän Harms zweimal nach dem kalten Spitzbergen und 1964 in den glühend heißen Golf von Guinea. Ohne Klimaanlage an Bord und mit einfachsten Geräten gelang es dort dem Team um Professor Klaus Voigt erstmals, einen bedeutenden Meeresstrom, den äquatorialen Unterstrom, vor Afrika zu vermessen, was international aufhorchen ließ. In jüngster Zeit ging es aber zumeist auf die Ostsee: im Rahmen des in Helsinki von den Anrainerstaaten vereinbarten Überwachungsprogramms der Ostsee „Helcom“. An Bord waren im Wechsel zwölf Geologen, Physiker, Biologen oder Chemiker von Instituten und Universitäten des In- und Auslandes tätig. Darunter aus Indien, Schweden, Russland, Kuba und Australien. Bei wichtigen internationalen Forschungsvorhaben war die „Penck“ dabei, von Helsinki bis Edinburgh. Es sei Schülern und Studierenden gewünscht, dass sie in den kommenden Monaten bei Projekttagen an Bord dieses Traditionsschiffes und bei eventuellen Fahrten in See eigene lehrreiche Experimente und Messungen vornehmen können.
DIETER FLOHR
20.02.2012, FB
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