Ökostrom in Lübeck: 760 Bürger investieren in die Energiewende
Das erstaunt selbst die kühnsten Optimisten: 760 Bürger investieren in die Energiewende der Stadtwerke - insgesamt sieben Millionen Euro.
Mit mindestens 1000 Euro sind Sie dabei, hieß es vom 31. Oktober bis 23. November. Die Stadtwerke haben ein Modell aufgelegt, bei dem die Bürger sich finanziell an der Energiewende beteiligen können.
Die Chefetage des kommunalen Versorgers (Gas, Strom, Wasser, Wärme) erhoffte sich zwei Millionen Euro. Das nun vorliegende Ergebnis haben sich die Geschäftsführer Annie Lykke Gregersen und Stefan Fritz in den kühnsten Träumen nicht ausgemalt. 760 Bürger haben genau 7,0839 Millionen Euro gezeichnet.
„Wir sind überwältigt von der großen Resonanz“, erklären Gregersen und Fritz, die beide jeweils mit 5000 Euro dabei sind. „Wir sehen das gezeigte Interesse als Verpflichtung, den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter zu forcieren“, so die Geschäftsführer. „Das ist deutlich mehr als wir erträumt haben“, sagt Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD). Die Stadtwerke hätten sich in der Bevölkerung ein positives Image erarbeitet. Schindler: „Denen traut man echt etwas zu.“
Für sechs Millionen Euro wird der Versorger neue Windräder im Lübecker Norden bauen. Zusammen mit den Gemeindewerken Stockelsdorf werden zudem Windparks in Obernwohlde und Afrade errichtet. Zwei Millionen Euro jährlich wollen die Stadtwerke in neue Photovoltaikanlagen investieren. Prominentestes Objekt wird ein Solardach auf der Musik- und Kongresshalle (MuK) sein. Die Bürger hat das offenbar überzeugt. Lübecker, Schwartauer, Stockelsdorfer und sogar zwölf Hamburger greifen in ihre Vermögensrücklagen. Durchschnittlich wurden knapp über 9000 Euro gezeichnet. Zwei Privatpersonen wollen sogar bis zu 100 000 Euro anlegen. Gregersen: „Wir nehmen ausschließlich Einlagen von Privatpersonen, nicht von Firmen.“
Zwei Gründe sieht die Geschäftsführerin für den Run: „Viele Bürger möchten einen Beitrag zur Energiewende leisten. Außerdem trägt die generelle Verunsicherung auf den Finanzmärkten dazu bei.“
Gregersen versichert, dass die Stadtwerke das viele Geld auch verbauen können. „Es gibt so viele Interessenten an Solaranlagen in Lübeck und Umgebung“, erklärt die Geschäftsführerin.
„Das ist ein ganz tolles Ergebnis“, sagt Peter Reinhardt. Der SPD-Fraktionschef hatte an die Lübecker appelliert, sich verstärkt an der Energiewende zu beteiligen. Reinhardt: „Der Aufruf hat geholfen. Lübeck ist auf dem Weg zu einer ökologisch vernünftigen Energieversorgung.“ Der Landtagsabgeordnete Thorsten Fürter (Grüne) fühlt sich bestätigt. Als Bürgermeisterkandidat hatte er einen Zehn-Punkte-Plan zur Energiewende vorgelegt, der unter anderem den Rückkauf der Stadtwerke-Anteile durch Bürger vorsah. Fürter: „Die Menschen haben Interesse, sich in die eigene Energieversorgung einzubringen.“ Kai Dordowsky
So geht es weiter
70000 Faltblätter hatten die Stadtwerke verteilt, um Darlehensgeber zu finden. Wer gezeichnet hat, erhält ab 2. Dezember einen Darlehensvertrag. Die Verträge müssen bis zum 15. Dezember unterschrieben zurückgesandt werden. Bis zum 31. Dezember muss das Geld auf dem Konto der Stadtwerke sein.
29.11.2011, PK
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