Gut vorbereitet in die Rente
Wer sich frühzeitig auf den Ruhestand einstellt, muss den Pensionsschock nicht fürchten. Die Deutsche Seniorenliga gibt Tipps dazu.
Wer vor 50 Jahren mit 65 in Rente ging, hatte nach 45 oder mehr Jahren anstrengender Arbeit oft nur noch zehn Jahre, um den wohlverdienten Ruhestand zu genießen. Heute sind es eher 20 Jahre - zwei Jahrzehnte, die sinnvoll genutzt werden wollen und auch sinnvoll genutzt werden können.
Gefürchtetes Rentenloch
Studien belegen zwar, dass zwei Drittel der Rentner und Pensionäre das Leben ohne den Stress im Job genießen. Das heißt aber auch: Jeder dritte Arbeitnehmer fällt nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben in ein Loch, das „Rentenloch". Andere sprechen vom Pensionsschock, den sie erleiden. Es sind vor allem Männer, die sich in ihrer neuen Lebenssituation schwer zurechtfinden. Wer sich hauptsächlich über seinen Beruf definiert und für seinen Job gelebt hat, dem fehlt dann der Lebensmittelpunkt. Den Arbeitsalltag einfach im Ruhestand weiterführen, kann schrecklich enden - wie in Loriots bekannter Satire „Pappa ante portas" . . .
Rechtzeitig überlegen
Dagegen kann man aber eine ganze Menge tun. Man muss nur rechtzeitig anfangen, sich Gedanken zu machen, wie das Leben ohne die gewohnte tägliche Arbeit, ohne die Kolleginnen und Kollegen weitergehen soll. Am besten sollte man schon einige Jahre im Voraus darüber nachdenken, wie man im Ruhestand leben will, rät Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga. Dann ist der Übergang nicht so krass. Wer schon während des Berufslebens Hobbys und einen intakten Freundeskreis hat, kann seine freie Zeit im Ruhestand sinnvoll nutzen.
Nicht durchhängen
Bei diesen Planungen sollte man nicht nur an Reisen und spontane Kurzurlaube denken, die dann möglich sind, an wöchentliche Treffen im (Sport-)Club oder Kurse an der Volkshochschule. Man darf auch die übrigen Tage der Woche nicht vergessen. Trotz heiler Knochen einfach durchhängen, als Stubenhocker vor dem Fernseher sitzen, macht nicht nur den Körper schlapp, sondern auch den Geist. Wer zu Diskussionen nichts Interessantes beitragen kann, mit seinem Wissen nicht mehr auf der Höhe ist, muss sich nicht wundern, wenn der Freundeskreis immer kleiner wird.
Regelmäßige Beschäftigungen
Was aber, wenn man nicht genügend Hobbys hat, der Freundeskreis eher klein ist und man schon immer der Meinung war, dass Sport Mord ist? Dann empfiehlt die Deutsche Seniorenliga, sich eine regelmäßige Beschäftigung zu suchen, die einen in die Pflicht nimmt, die wieder Struktur in den Alltag bringt. Der neue Tagesrhythmus dürfe jedoch nicht zur Zwangsjacke werden. „Schließlich hat man endlich mal Zeit - und die sollte man sich auch nehmen", rät die Deutsche Seniorenliga in ihrem Ratgeber „Mitten im Leben - auch nach dem Beruf". Im Idealfall hat man im Berufsleben Kenntnisse und Fähigkeiten erworben, mit denen man im Ruhestand viel anfangen kann. Dann ist es leichter, eine neue, sinnvolle Beschäftigung zu finden.
Andernfalls empfiehlt die Seniorenliga eine Selbst-Analyse:
- Wie und was bin ich , welche Eigenschaften, gute und weniger gute, schreibe ich mir selbst zu? - Was macht mir wirklich Spaß - nicht nur gelegentlich? - Was kann ich besonders gut, wo liegen meine Grenzen? - Was schätzen andere Menschen an mir besonders, wofür werde ich von anderen gelobt? - Will ich vor allem meine Kenntnisse nutzen oder finde ich es spannend, etwas Neues ausprobieren?
Das Ergebnis der Analyse sollte man mit den Wünschen und Vorstellungen vergleichen, die man schon entwickelt hat, heißt es im Ratgeber der Seniorenliga. „Das ermöglicht es uns, bisher unbekannte oder verloren geglaubte Talente auszuleben."
An den Partner denken
Auf eine harte Probe stellt der Ruhestand so manche Partnerschaft. Das trifft vor allem Paare, bei denen nur einer von beiden berufstätig war. So manche Ehefrau, die sich bisher hauptberuflich um den Haushalt gekümmert hat, sucht sich einen Teilzeit-Job außer Haus, weil sie es nicht aushält, wenn der Gatte plötzlich den ganzen Tag zu Hause ist, ihr womöglich überall reinredet, ihr die gewohnten Freiräume nimmt. Das geht inzwischen öfter bis zur Scheidung mit 70. Es sind häufiger die Frauen, die die Scheidung einreichen, zeigt die Statistik.
Wichtig ist es deshalb, dass beide Partner schon vor Beginn des Ruhestandes über ihre gegenseitigen Erwartungen, über gemeinsame Pläne und jeweils eigene Aktivitäten sprechen. Denn so können Freiräume vereinbart werden, die jeder Mensch für sich braucht. „Das Gleichgewicht zwischen Abstand und Nähe muss neu austariert werden", mahnt die Seniorenliga.
(Text: Rüdiger Wenzel, Foto: fotolia)
08.02.2012, PK
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