Polizei warnt vor Trickdieben an der Autobahn
Die Zahl der Straftaten an den Autobahnen nimmt sprunghaft zu. Kriminelle nutzen die Hilfsbereitschaft der Opfer aus. Lockvögel täuschen Pannen vor und fragen nach dem Weg.
Zu Beginn der Ausflugs- und Urlaubszeit warnt die Landespolizei vor Trickdieben auf Parkplätzen und an Raststätten. "Geschickt lenken sie ihre Opfer ab, um blitzschnell aus den Fahrzeugen Portemonnaies, Handys und Navigationsgeräte zu stehlen", sagt Stefan Steffen vom Landespolizeiamt in Kiel. Die Anzahl von Strafanzeigen geprellter Autofahrer sei in den vergangenen Wochen im Norden sprunghaft gestiegen. Versicherungen und ADAC mahnen zu besonderer Vorsicht. Die Polizei kündigt für die Reisezeit jetzt verstärkt Kontrollen an.
10 000 Diebstähle aus Fahrzeugen wurden 2010 landesweit angezeigt. "Wir gehen davon aus, dass sich jeder zehnte Fall auf Rastplätzen ereignet - mit steigender Tendenz", sagt Steffen. Anstatt Fahrzeugschlösser zu knacken oder Autofenster einzuschlagen, setzten die Kriminellen auf psychologische Effekte.Die Tricks sind ebenso simpel wie offenkundig effektiv. Eine zurzeit besonders beliebte Masche: "Eine vermeintlich orientierungslose Frau fragt einen gerade auf dem Rastplatz angekommenen Autofahrer nach dem Weg. Während das Opfer der Frau auf der Landkarte die Strecke zeigt, greift ein Komplize im unverschlossenen Auto nach Navi, Handy und Geldbörse", erklärt Steffen. Ein weiterer Trick: Der meist weibliche Lockvogel täuscht eine Autopanne vor und bittet um Starthilfe. Wieder ist das Opfer abgelenkt - die Gelegenheit, in dessen Auto lange Finger zu machen. "Speziell auf Rast- und Parkplätzen ist das Sicherheitsempfinden hoch und die Hilfsbereitschaft besonders ausgeprägt - und das nutzen die Diebe schamlos aus", sagt der Fahnder. Entsprechend seien es meist auch Frauen, die Männer um Hilfe bitten. Verstärkt würden Täter aber auch an Tankstellen zuschlagen. "Während die Fahrer an der Kasse bezahlen, sucht ein Dieb im Fahrzeug nach Wertgegenständen", so der Ermittler.
Die Polizei geht von professionellen Täterbanden aus und appelliert an Autofahrer, ihre Fahrzeuge grundsätzlich abzuschließen. Andernfalls droht den Opfern von Trickdieben nicht nur ein Bußgeld von 15 Euro. Schlimmer noch: "Wer sein Auto nicht verschließt, hat keinen Versicherungsschutz", sagt Günter Jesumann von der Provinzial in Kiel. Auch er beobachtet die Zunahme an Diebstählen. "Wer mit dem Auto in den Urlaub fährt, sollte selbst bei kurzen Pausen sämtliche Wertgegenstände keinesfalls im Auto zurücklassen und sein Fahrzeug möglichst zentral abstellen", rät Ulf Evert vom ADAC in Kiel.
Schaden wird meist nicht ersetzt
Grob fahrlässig handelt, wer sein Fahrzeug nach dem Verlassen nicht ordnungsgemäß abschließt. "Wer Opfer von Trickbetrügern auf Rast- oder Parkplätzen wird, bleibt in den meisten Fällen auf dem Schaden sitzen", sagt Günter Jesumann von der Provinzial. Sowohl für Hausrat- als auch Reisegepäckversicherungen sei ein Einbruch Voraussetzung dafür, damit Schäden für gestohlene Handys, Laptops oder Navigationsgeräte übernommen werden. "Wer sein Auto offen stehen lässt, hebelt damit die Versicherungsbedingungen aus", mahnt der Experte. Wer dennoch auf die Maschen der Betrüger hereingefallen ist, sollte sofort die Polizei und seine Versicherung alarmieren. "Im Einzelfall sind Kulanzlösungen möglich", so Jesumann. (Text: Bastian Modrow, Foto: Andreas Meyer)
24.05.2011, PK
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