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Der Seeräuber mit der Bier-Kompetenz

Kulinarisches

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Der Seeräuber mit der Bier-Kompetenz

Die Stralsunder Brauerei entwickelte sich im vergangenen Jahr entgegen dem Trend in der Branche in Deutschland positiv.

 

Geschäftsführer Markus Berberich: „Wir haben uns mehr erhofft, aber unter dem Strich können wir zufrieden sein.“ Insgesamt flossen 2011 knapp 100 000 Hektoliter Bier aus den Leitungen des Betriebes an der Greifswalder Chaussee, der sich jetzt Störtebeker Braumanufaktur nennt. Das sind drei Prozent mehr als 2010. Das Unternehmen hat allerdings mit größeren Zuwächsen gerechnet. „Der verregnete Sommer machte uns da einen Strich durch die Rechnung“, erläutert Berberich. Allein der Juli, sonst absatzstärkster Monat, habe die Planzahlen mit einem Minus von 40 Prozent belastet. Aufgefangen worden seien die Verluste nur durch die zweistelligen Zuwachsraten bei den Störtebeker-Bieren. Das ist auch der Grund, dass die Brauerei diese Marke weiter stärken will. Inhaber Jürgen Nordmann: „Wir wollen noch mehr auf Spezialitäten setzen.“ Der Markt in Deutschland werde immer komplizierter. „Wir haben in der Branche Druck ohne Ende“, sagt Nordmann und verweist auf den immer weiter zurück gehenden Bierkonsum. Laut Statistik trank vor 15 Jahren jeder Deutsche noch 146 Liter Bier im Jahr. Jetzt sind knapp 100. Daraus resultiert ein enormer Wettbewerb der Brauereien. Vor allem die kleinen Betriebe können den ruinösen Preiskampf meist nicht verkraften. Der Traditionsbetrieb aus der Hansestadt spürt das vor allem bei der Marke Stralsunder, die als Durstlöscher dem direkten Konkurrenzkampf mit den großen Herstellern ausgesetzt ist. Jürgen Nordmann sieht deshalb die Zukunft des Bieres aus seinem Betrieb in erster Linie aus dem Blickwinkel eines traditionsbewussten Genießers. Und da hat er mit dem Brau-Experten Berberich den richtigen Mann an seiner Seite. Der 42-Jährige ist davon überzeugt, dass es für jedes Essen nicht nur den richtigen Wein, sondern auch das richtige Bier gibt. Schon seit einiger Zeit beobachte er in der Fachwelt diese Tendenz, die sich langsam zu einem Trend entwickle. „Derzeit bringen vielleicht zehn der rund 1200 Brauerein in der Bundesrepublik die Sache voran“, betont er. „In Norddeutschland sind wir Vorreiter.“ Und weil Berberich das Individuelle, das Einzigartige hervorheben will, sucht er immer wieder nach neuen Sorten, experimentiert mit verschiedenen Zutaten. „Es gibt vielleicht 100 Hopfensorten, 100 Malze und wahrscheinlich noch mehr Hefearten“, schwärmt der Brauer von möglicher Vielfalt. Leider würden in den großen Unternehmen nur noch ein oder zwei Sorten von jeder Zutat verwendet. In Stralsund sei das schon jetzt anders. „Wir verarbeiten 23 Hopfensorten, 25 Spezialmalze und drei Hefesorten.“ Für den Brauingenieur, der 2011 überraschend den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft der Biersommeliers belegte, ist deshalb die Namensänderung von Stralsunder Brauerei in Störtebeker Braumanufaktur auch folgerichtig. „Der Name hebt das Handwerkliche hervor, distanziert sich von der industriellen Massenproduktion“, erklärt er und fügt hinzu: „Früher war ich nur Verfahrenstechniker, jetzt darf ich wieder Brauer sein.“ Jürgen Nordmann hat noch ein weiters Argument, warum Störtebeker als Marke und im Namen seines Betriebes genau richtig ist. „Störtebeker hat Bier-Kompetenz“, sagt der 50-Jährige und spielt auf die Legende an, nach der der Name des berühmten Seeräubers darauf zurückzuführen ist, dass er einen ganzen Becher Bier herunterstürzen konnte. Außerdem liefere Störtebeker die Verbindung zur Hanse. „In den Städten an der Ostsee wurde damals das beste Bier gebraut, es war Exportschlager.“ Auch die Wurzeln des deutschen Reinheitsgebots sieht Nordmann in den Hansestädten. Berberich ergänzt mit historischem Wissen: „Das Reinheitsgebot war eigentlich ein Notstandsgesetz in Bayern. Dort wurde Bier ohne Hopfen gebraut, war weniger haltbar. Wer verdorbenes Bier trank, wurde krank.“ Deshalb habe Bayernherzog Wilhelm IV 1516 die Rezeptur mit Hopfen - so wie sie in Norddeutschland schon lange verwendet wurde - angeordnet. Zum Schutz seiner Untertanen. Derzeit werden in Stralsund insgesamt 13 verschiedene Biere gebraut. Während die Marke Stralsunder mit ihren vier Sorten ausschließlich für den regionalen Markt bestimmt ist, stehen die neun Störtebeker-Spezialitäten in den Supermarktregalen vieler anderer Bundesländer. Sogar in Schweden, Dänemark und den USA gibt es inzwischen Bier vom Sund. „Das ist das Ergebnis internationaler Preise“, sagt Berberich. „Dadurch kommt man in die Spezialbiervertriebskanäle.“ Auch da sei es der berühmte deutsche Seeräuber, der die Verbraucher neugierig mache. Noch dieses Jahr will die Braumanufaktur eine weitere Biersorte auf den Markt bringen. Was für eine, darüber hüllen sich Nordmann und Berberich allerdings noch in Schweigen. Dafür wird eine neue Hefezuchtanlage gebaut. Insgesamt investiert das Unternehmen 2012 zwei Millionen Euro. Äußerlich hat sich an den Produkten bereits etwas geändert. Sowohl die Störtebeker-Kisten als auch die Flaschen bekamen ein neues, rustikales Outfit, das dem Charakter der Marke besser entsprechen soll.Störtebeker und Küsschen Auf der Grünen Woche in Berlin präsentiert sich die Störtebeker Braumanufaktur in Halle 5.2b. Till Backhaus, Landwirtschaftsminister von MV, zeigte sich beeindruckt von der Kombination aus den speziellen Bieren und kulinarischen Genüssen. Neben dem Verkostungsritual der Biere aus Sehen, Riechen und Schmecken wurde zu Schwarzbier Wild serviert, zu Roggen-Weizen Käse gereicht und das Stark-Bier mit den Grabower Küsschen versüßt.„Früher war ich nur Verfahrenstech- niker, jetzt darf ich wieder Brauer sein.“
JENS-PETER WOLDT

Foto: Jürgen Nordmann (links) und Markus Berberich

 

25.01.2012, FB

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