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Norddeutschlands erste Bio-Molkerei

Kulinarisches

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Norddeutschlands erste Bio-Molkerei

Norddeutschlands erste Bio-Molkerei hat die Probeproduktion aufgenommen. Der Betrieb soll eine Lücke in der Veredelungswirtschaft ökologisch erzeugter Lebensmittel füllen.


Statt reinweißer Sterilität eine warme hölzerne Fassade: Norddeutschlands erste reine Bio-Molkerei im nordwestmecklenburgischen Dechow passt auch äußerlich zum naturnahen Umfeld im Biosphärenreservat Schaalsee. Der Name sei Programm bei der „Gläsernen Meierei", sagte Geschäftsführerin Kirsten Böhmann gestern. Großzügig zieht sich eine verglaste Galerie quer durch die Molkerei, von der aus Besucher rund um die Uhr die klinisch saubere Milch- und Butterherstellung beobachten könnten. Nach Abschluss des Probebetriebs startet in wenigen Wochen die Produktion. In Dechow sollen künftig 40 Mitarbeiter bis zu 70 Millionen Kilogramm Biomilch jährlich zu frischer Trinkmilch, Joghurt, Butter und Sahne verarbeiten.

Biobauern dringend gesucht

Das Unternehmen, das bisher in Upahl in Lohnproduktion Bio-Milch abfüllen ließ und seit zwei Jahren im brandenburgischen Münchehofe unter anderem Biokäse erzeugt, wird von rund 100 Landwirten aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen beliefert. Weitere Biobauern würden dringend gesucht, denn Rohware gerade im Ökosektor sei schwer zu bekommen, so Böhmann. In der Region sollten mehr konventionelle Landwirte auf Bio umsteigen, sagt sie. „Wir sind an weiteren Umstellern interessiert." Lockmittel könnten die höheren Preise für Bioprodukte sein. Wenngleich der Abstand zur konventionell erzeugten Milch seit Jahren schrumpfe, würden derzeit für Biomilch mit gut 43 Cent noch rund zehn Cent mehr je Liter gezahlt als für konventionelle Rohmilch, bestätigt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (Berlin).

Import wächst

Nach wie vor hinke die heimische Bio-Produktion dem Bedarf aber deutlich hinterher, sagt Böhmann. Allein die Nachfrage nach Biomilch stieg laut Statistik in Deutschland im ersten Halbjahr 2011 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent. Der Import biologischer Nahrungsmittel nehme zu, weil deutsche Landwirte die Nachfrage nur zur Hälfte deckten, so das Schweriner Agrarministerium. Biomilch etwa werde massenhaft aus Österreich und Dänemark eingeführt, weiß Kirsten Böhmann.

In Naturkostläden und Bio-Supermärkten

Regionale Biomilch für die Region, so lautet das Credo der „Gläsernen Meierei". Ausschließlich in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen würden die frischen Molkereiprodukte mit der Marke „Biosphärenreservat Schaalsee - Für Leib und Seele" künftig in Naturkostläden und Bio-Supermärkten vertrieben, kündigte die Geschäftsführerin an. Auch Handelsmarken für den norddeutschen Raum sollen abgefüllt und Biomilchpulver für Babynahrung von Lohnfertigern produziert werden.

Weiterer Bedarf

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) sieht eigenen Worten zufolge weiteren Bedarf an verarbeitenden Betrieben. Zwar mache der Bioanbau in Mecklenburg-Vorpommern bereits neun Prozent der Ackerflächen aus. Der Bundesdurchschnitt liege hier bei sechs Prozent. Allerdings gebe es laut Till Backhaus Reserven in der Veredelungswirtschaft, hieß es. Derzeit seien an die 250 Verarbeitungs- und Gastronomiebetriebe im Land öko-zertifiziert. (Text: Grit Büttner,  Foto: Tim Jelonnek)


27.01.2012, PK

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