Karpfenernte an der Strengliner Mühle
Eine Arbeit, die schweißtreibend und schmutzig ist, aber auch Spaß macht.
Seit vielen Jahrzehnten ist es ein jährlich wiederkehrendes Ritual, das Abfischen der Karpfenteiche an der Strengliner Mühle. Und das ist für Henning Molt, den 34-jährigen Chef des Hauses, mehr Lust als Last. Seit rund 250 Jahren ist die „Mühle“ im Familienbesitz, und seit Urzeiten wissen es die Gäste des Restaurants zu schätzen, hier stets frische Karpfen auf der Speisekarte zu finden.
In anderen Häusern nur noch auf Vorbestellung, gibt es in Strenglin Karpfen a la Carte. Von Oktober bis März ist Saison. Molt empfiehlt den Genuss des edlen Fisches vor allem noch vor dem Jahreswechsel. Da würden sie am besten schmecken. Gestern hat er mit Unterstützung seines Sohnes Carl Johann (2) - stets im Blickfeld von Mutter Claudia - und seinen Neffen Mats (6) und Till (9) den ersten Zug mit dem Netz durch den größten der drei Teiche mit einer Gesamtfläche von knapp einem Hektar vorgenommen.
Hier hat Henning Molt einen wahren Prachtburschen gegriffen.
Die Jungs waren Feuer und Flamme, Molt zu helfen. Einen zappelnden großen, glatten Fisch mit kleinen Händen im Wasser zu greifen und ihn sanft in eine Kiste zu legen, ist allerdings nicht ganz einfach. Dass alle zünftig in Wathosen gekleidet waren, versteht sich von selbst.
Mit den sinkenden Temperaturen lässt die Aktivität der Fische nach, was zur Folge hat, dass das Wasser sich aufklart. Im Winter fahren die Karpfen ihren Stoffwechsel ‘runter und halten schließlich eine eine Art Winterschlaf. Zeit, sie ‘rauszuholen. Im Frühjahr gibt die Wärme des Wassers den Fischen den Impuls, wieder Nahrung zu suchen und zu gründeln. Das dabei aufgewühlte Wasser lässt die Teiche meist trüb aussehen.
Molt, der etwa 30 respektable Karpfen herausgeholt hat, deponiert die schlachtreifen Fische in einem Hälternetz - die beste Art der Zwischenlagerung für die zweieinhalb bis drei Kilo schweren Leckerbissen: „Die Fische sind im Teichwasser und können sich im großen Netz nicht verletzen.“ Diejenigen, die noch nicht groß genug sind, um auf die Speisekarte gesetzt zu werden, hat er in einen anderen Teich umgesetzt - dort wachsen sie bis zum nächsten Jahr heran.
Wichtigster Fisch für die Teichwirtschaft
Heute kommt der Karpfen in weiten Teilen Europas und Asiens vor. Wo er von Natur aus heimisch ist, lässt sich aber kaum noch sagen. Schon die Römer schätzten den Karpfen als Speisefisch und führten ihn deshalb in den von ihnen besetzten Gebieten ein.
Im Mittelalter wurde der Fisch durch Mönche bis nach Nordeuropa gebracht. Noch heute ist der Karpfen der wichtigste Fisch für die Teichwirtschaft und in neuerer Zeit wurde er deshalb sogar in Sibirien, Nordamerika, teilweise in Südamerika, dann in Australien, Südafrika und Neuseeland verbreitet. Quelle: Natur-Lexikon.com
Foto ganz oben: Im Hälternetz „lagert“ Henning Molt die Speisefische zwischen, bis sie von der Küche geordert werden.
26.10.2011, PK
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