Lübeck hat sein Lück-Pils wieder
Es gehörte zu Lübeck wie Marzipan, Rotspon und das Holstentor: Lück-Pils. Jetzt ist das Bier aus Lübeck nach 14 Jahren wieder da - und hat einen phänomenalen Verkaufsstart hingelegt. Was beweist, dass die Lübecker ihr Lück längst noch nicht vergessen haben. Und dass die Idee von Oliver Overath und Jan Kuchenbecker so richtig war wie das Goldgelb des wieder zum Verkauf gebrachten Gerstensaftes.
320 Kisten in drei Tagen
Innerhalb von nur drei Tagen wurden bei Citti in Lübeck 320 Kisten mit je 24 0,33-Liter-Flaschen verkauft. "Damit hatte niemand gerechnet", freut sich Kuchenbecker. Der 21-Jährige hat zusammen mit Overath, der den Vertrieb mit seiner Buddel GmbH managt, die Lück GmbH gegründet.
Originalrezept
Gebraut wird nach dem Originalrezept, das der letzte Lück-Braumeister noch auswendig kannte. Produziert und abgefüllt wird Lück in der niedersächsischen Stadt Wittingen. "Für uns in Schillsdorf wäre das nicht möglich", sagt Overath. Der Küchenmeister hat sich vor sechs Jahren selbstständig gemacht und den Landgasthof "Kirschenholz" im Kreis Plön übernommen. In einer alten Kate sind ein Laden und die Landbrauerei untergebracht. Hier stellt Overath, der über Ecken mit dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler Wolfgang Overath verwandt ist, sein in Literflaschen abgefülltes "Beer" her. Verkauft wird es in Geschäften der Region. Auch Landbier hat Overath im Angebot. Es wird ebenfalls in Niedersachsen gebraut.
Freie Markenrechte
Wie kommt man auf die Idee, ausgerechnet Lück-Pils zu brauen? Die Anregung bekam Overath bei seinem Schwiegervater. Der sammelt Bierdeckel und Biergläser. Klar, dass in seiner Sammlung auch Lück vertreten war. Und das gab den Ausschlag. "Was ist eigentlich aus der Marke geworden?", fragte sich der Gastronom und Brauer. Nach Recherchen wurden Overath und sein Kompagnon Kuchenbecker fündig. Die Markenrechte waren 1988 zunächst an die Bavaria-Brauerei, später an Holsten und dann an Carlsberg übergegangen. Jetzt wurden sie frei - und Overath riskierte 600 Euro, zu zahlen an das Patent- und Markenamt in München.
Gebraut in Niedersachsen
Der Anfang, die rechtliche Seite, war damit gemacht. Doch bis das erste Lück fließen konnte, dauerte es noch zweieinhalb Jahre. "Bei den großen Brauereien wären wir wegen der geringen Menge gar nicht auf den Hof gekommen", sagt Overath. Doch eine kleine Familienbrauerei in Niedersachsen spielte mit und und braute los. Nach der Lück-typischen Methode: untergärig. Dabei ist die Hefe untergärig, weil sie im Unterschied zu obergäriger Hefe niedrigere Umgebungstemperaturen braucht, um die Gärung in Gang zu setzen.
Eine Gaststätte fürs Lück
"Ich war fest davon überzeugt, dass Lück wieder Fuß in der Region fasst", sagt Overath. Und für Kuchenbecker hat das ganze Projekt großen Spaß gemacht. Ein nettes Hobby sei das gewesen. "Davon leben kann man aber nicht", sagt der Student. Jetzt auf jeden Fall noch nicht. Doch Overath glaubt fest an den Erfolg und hofft darauf, noch mehr Partner im Handel zu gewinnen. Auch die Gastronomie in der Region will er ansprechen, damit Lück auch dort ausgeschenkt werden kann. Fassbier wird es allerdings in der Anlaufphase noch nicht geben. "Dafür ist die Vorfinanzierung beispielsweise für die Fässer zu teuer", so Overath. Sein Ziel: Lück in einer eigenen Gaststätte in Lübeck ausschenken - wie es damals, 1866, begonnen hatte. (Text: Gerhard Krüger, Foto: Wolfgang Maxwitat)
Im alten Brauhaus werden heute Eintöpfe gekocht
1866 servierte der ehemalige Gärtner Jürgen Heinrich Christian Lück den Lübeckern zum ersten Mal das nach ihm benannte Bier. Gebraut wurde in der Brauerei zur Walkmühle an der Geniner Straße, nach bayerischer Brautradition untergärig. Die Nachfrage war so groß, dass die Brauerei 1872 von Handbetrieb auf dampfgetriebene Herstellung umstellen konnte und damit Lübecks erste Dampfbierbrauerei wurde.
Im Jahr 1925 wurde die Brauerei Lück in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und bestand in dieser Form über sechs Jahrzehnte. In den 1950er-Jahren wurden die Werbeslogans "Lück - Unser Lübecker Pils" und "Lück muß der Mensch haben" eingeführt. Als Anfang der 1960er-Jahre in Deutschland der Absatz von Pils zunahm, reagierte die Lück-Brauerei schnell und führte 1963 das Lück-Pils ein. Es sollte der größte Erfolg der Brauerei werden.
1979 verkaufte die Inhaber-Familie die Brauerei an die Bavaria-Brauerei Hamburg. 1988 stellten die Hamburger die Produktion in Lübeck ein. Gegen die Schließung kam es im Vorfeld zu Protesten und Unterschriftenaktionen in Lübeck. Die kupfernen Lück-Sudkessel wurden nach Bayern verkauft. Lück-Pils wurde aber bis 1997 noch weiter in Hamburg gebraut- Das Brauerei-Gelände in Lübeck wurde 1989 an Erasco verkauft.
1988 endete die lange Brautradition in der Geniner Straße.
Foto oben: Jürgen Overath kredenzt sein Lück-Pils vor der alten Kate in Schillsdorf (Kreis Plön), in der auch eine kleine Hausbrauerei untergebracht ist.
03.05.2011, PK
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