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Die Möglichkeiten der Telemedizin

Medizin

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Die Möglichkeiten der Telemedizin

Steigender Behandlungsbedarf, verknappte finanzielle Ressourcen und Ärztemangel auf dem Land: Die Telemedizin bietet viel Potenzial, um auf die neuen Anforderungen der medizinischen Versorgung zu reagieren.

Die Telemedizin, also der elektronische Austausch von Patientendaten wie beispielsweise Röntgenbilder durch moderne Telekommunikationstechnologien, eröffnet Ärzten und Kliniken neue Möglichkeiten, um den veränderten Bedingungen der medizinischen Versorgung Rechnung zu tragen. Denn auf diesem Wege ist eine Diagnose und Betreuung vielfach auch dann möglich, wenn sich Experten und Patienten an verschiedenen Orten befinden.

Großere Erleichterung für kleinere Kliniken

„Die Vernetzung von Ärzten wird in Zukunft eine tragende Rolle spielen. Wir werden in den kommenden Jahren vor allem in den ländlichen Regionen einen massiven Ärztemangel bekommen. Schon heute gibt es zum Beispiel kleinere Radiologie-Zentren oder Kliniken, die gar keinen Radiologen mehr haben. Die Röntgenaufnahmen werden von medizinischem Personal angefertigt und anschließend mittels IT-Technik zu einem Spezialisten geschickt. Das ist eine große Erleichterung, da sich vor allem kleinere Kliniken oft gar keinen Radiologen mehr leisten können", betont Dr. Sven Soecknick, Vorsitzender des Lübecker Ärztenetzes.

Fern-Monitoring nimmt zu

Auch „E-Health", der Einsatz elektronischer Geräte zur medizinischen Versorgung von Patienten in ihren eigenen vier Wänden, findet bereits Anwendung. Die am häufigsten eingesetzte Methode ist das sogenannte Fern-Monitoring, bei der die Vitalparameter von chronisch Kranken durch IT-gestützte Messgeräte überwacht werden.

Weniger Arztbesuche

So haben beispielsweise die Segeberger Kliniken in Zusammenarbeit mit der Krankenkasse DAK im Sommer das Projekt „Mein Herz" ins Leben gerufen, um chronisch Kranken mehr Sicherheit und Lebensqualität zu bieten. In diesem Rahmen erhielten Patienten, die zuvor in den Segeberger Kliniken mit der Diagnose Herzinsuffizienz behandelt wurden, ein elektronisches Blutdruckmessgerät, eine elektronische Waage und ein zwölf-Kanal-EKG. Die gemessenen Vitalwerte werden über die Telefonleitung des Patienten direkt an die Segeberger Kliniken übermittelt, ein Besuch beim Arzt ist dadurch viel seltener erforderlich. Verschlechtern sich die Werte, können die behandelnden Ärzte sofort reagieren.

Werte per Knopfdruck

„Es gibt sogar schon Apps für das iPhone, bei denen nur noch das Handy an das Messgerät angeschlossen werden muss, um die Daten zu übermitteln. Diabetiker zum Beispiel, die früher regelmäßig beim Arzt antreten mussten, um ihre Werte überprüfen zu lassen, können das nun teilweise per Knopfdruck erledigen. Das spart nicht nur Zeit, sondern verringert auch den Arbeitsaufwand der Praxen", so Soecknick.

Gebremste Euphorie

Dennoch warnt der Lübecker Allgemeinmediziner vor übertriebener Euphorie: „Die Telemedizin wird sich in den kommenden Jahren auf jeden Fall noch stärker etablieren. Die Technik wird aber auch in Zukunft eine Behandlung immer nur ergänzen und kann den Gang zum Arzt nicht ersetzen. Es gibt einfach auch Faktoren des Wohlbefindens, die die Technik nicht messen kann." Text: Andrea Kantioler, Foto: Ioana Davies (Drutu)/ Fotolia.com

27.12.2011, OS

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