Verein „Dach überm Kopf" in Eutin
In diesem Jahr wird der Verein „Dach überm Kopf" in Eutin 20 Jahre alt. Er hat 18 Mitglieder und setzt sich für obdachlose Menschen ein.
Die eine Begebenheit ist seit über 2000 Jahren weltweit bekannt und in diesen Tagen allgegenwärtig: Maria und Josef machen sich auf den Weg, finden keine Herberge und suchen Schutz in einem Stall.
Drei Sozialarbeiter
Es gibt aber noch viele andere Geschichten von Menschen, die ein Quartier suchen. Einige davon können Wilhelmine Kienzle (69), Christian Grantz (60) und Christoph Horst-Paaschburg (55) erzählen. Alle drei sind oder waren Sozialarbeiter, und gemeinsam engagieren sie sich als Vorstandsmitglieder in dem Verein „Dach überm Kopf". Die Vorsitzende Wilhelmine Kienzle hat einmal in alten Unterlagen gestöbert und herausgefunden: Im Haus an der Elisabethstraße, das dem Verein von November 1994 bis Mai 2004 zur Verfügung stand, waren 36 Männer und zwei Frauen untergebracht. In der Wasserstraße 1 sind es von Mai 2002 bis jetzt 51 Personen, und zwar sieben Kinder, 18 Frauen und 26 Männer.
"Hilfen werden blockiert"
Christoph Horst-Paaschburg erinnert sich noch gut an das Jahr 1992 und an die Anfänge des Vereins: „Damals gab es die Befürchtung in Eutin, dass wir Obdachlose aus ganz Schleswig-Holstein hierher holen." Der Verein ging hervor aus der „Eutiner Runde", einem regelmäßigen, informellen Treffen von Sozialarbeitern aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen in und um Eutin. Anfang der 1990er Jahre war auch in Ostholsteins Kreisstadt deutlich geworden, dass das Problem der Wohnraumverknappung und daraus folgender zunehmender Obdachlosigkeit ganz erhebliche Schwierigkeiten in allen Bereichen sozialer Arbeit aufwarf. Wilhelmine Kienzle: „Soziale Hilfen werden blockiert und bleiben häufig unwirksam, wenn das Grundbedürfnis nach dem Dach überm Kopf nicht mehr erfüllt werden kann."
Dankbarkeit
Seit Mai 2002 kann der Verein das Haus in der Wasserstraße 1 als Notunterkunft nutzen. Der damalige Kirchenkreis Eutin stellte es kostenlos zur Verfügung. Dort können auch junge Familien, alleinerziehende Frauen mit Kindern oder bis zu drei Einzelpersonen untergebracht werden. Wilhelmine Kienzle: „Zuerst haben wir befürchtet, dass die Unterbringung von Einzelpersonen zu Konflikten führen könnte. Erstaunlicherweise ist das selten der Fall. Diejenigen, die in der Wasserstraße ein Dach über dem Kopf bekommen, sind dafür sehr dankbar." Sie müssen sich aber auch an Regeln halten. So zahlen sie monatlich 250 Euro für ihr Quartier. Haustiere jedweder Art sind ebenso wenig erlaubt wie Drogen.
In dieser Gemeinschaftsküche treffen sich die Bewohner und Bewohnerinnen an der Wasserstraße 1 zum Kochen und Klönen.
Überforderung
Wurden in den 1990er Jahren noch etwa 200 Obdachlose in Eutin gezählt, so sind es derzeit etwa 30. Damals, so Wilhelmine Kienzle, waren die Wohnungssuchenden zwischen 35 und 40 Jahre alt, heute sind es 17- bis 19-Jährige. „Viele sind einfach überfordert mit ihrer Lebenssituation", erfährt sie immer wieder. (Text und Fotos: Christina Düvell-Veen)
Preisgekrönter Verein
1992: Gründung des Vereins „Dach überm Kopf Eutin und Umgebung". 1993: Öffentlichkeitsarbeit, planen und ausloten der Möglichkeiten. 1994: Inbetriebnahme der Notunterkunft in der Elisabethstraße 63. 2002: Der Kirchenkreis Eutin stellt dem Verein das Haus in der Wasserstraße 1 kostenlos zur Verfügung. 2004: Das Haus in der Elisabethstraße wird abgerissen. 2005: Der Verein erhält den mit 1500 Euro dotierten Anny-Trapp-Preis. 2009: Das Haus in der Wasserstraße bekommt ein neues Badezimmer. 2010: Ein beantragter Zuschuss der Stadt Eutin wird für die Linoleum-Fußböden ausgegeben.
Wer den Verein unterstützen möchte, kann Geld überweisen auf das Konto 25650 bei der Sparkasse Holstein, Bankleitzahl 213 522 40.
Foto oben: Die Vorstandsmitglieder des Vereins „Dach überm Kopf" Christian Grantz (von links), Wilhelmine Kienzle und Christoph Horst-Paaschburg vor dem Haus an der Wasserstraße 1.
30.12.2011, PK
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