Ernst Kruetgen war zweiter Ehrenbürger Bad Oldeloes
Kruetgen ist zweiter Ehrenbürger der Kreisstadt. Dank seiner Großzügigkeit und Spendenbereitschaft erhielt der Mann, der seine zweite Heimat in Chicago fand, 1931 diese hohe Auszeichnung der Stadt Oldesloe.
Bad Oldesloe - Es ist die Geschichte von einem, der auszog, der aber nicht das Fürchten lernte, wie in dem Märchen der Gebrüder Grimm, sondern der in den USA Karriere machte; der ab 1933 das damals größte Postamt der Welt in Chicago leitete. Es ist die Geschichte von einem, der seiner Heimatstadt Bad Oldesloe stets verbunden blieb und sogar zum Ehrenbürger ernannt wurde, obwohl er nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden gesetzt hat. Es ist die Geschichte von Ernst J. Kruetgen.
Audf der Suche nach dem besseren Leben
Im März 1868 wird Kruetgen als Sohn eines Tischlermeisters in Bad Oldesloe geboren, besucht hier die Schule, wird auch noch konfirmiert, um dann mit seinen Eltern nach Chicago auszuwandern. Es sollte ein besseres Leben werden als in Bad Oldesloe, wenngleich mit anfänglichen Schwierigkeiten. Vom Tellerwäscher zum Millionär muss hier eher heißen vom Zeitungsausträger zumindest zum sehr wohlhabenden Mann. Denn der junge Kruetgen bessert das Familieneinkommen mit Zeitungsaustragen auf, ehe er schließlich eine Lehrstelle als Lithograf findet.
Stolz auf die Herkunft
Jahrelang arbeitet er in diesem Beruf, ehe er 1902 in Chicago seinen eigenen Betrieb gründet. Kruetgen, so liest es sich in den Annalen, ist stolz auf seine deutsche Abstammung, widmet sich der Pflege deutscher Kultur, besonders des deutschen Liedgutes.
Mittler zwischen den Kulturen
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges schlägt ihm deshalb Hass entgegen. Erst später findet Ernst J. Kruetgen Zugang zum gesellschaftlichen Leben Chicagos und wird zum Mittler zwischen beiden Kulturen. Als glänzender Redner erobert er das gesellschaftliche und politische Parkett, wird Mitglied der Handelskammer, wird 1914 Schulrat der Stadt. Zwei Jahre später stirbt an Weihnachten seine Frau Alwine, „meine treue Gattin habe ich verloren“, schreibt er, „das Beste, was ich besaß“. 25 Jahre waren die beiden verheiratet.
Kontakt zur Heimatstadt
Von nun an sucht er seine Lebensfreude in der Arbeit und in der Pflege der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Über den Oldesloer Bäckermeister Wilhelm Schlottmann von der Hude hält er unter anderem Kontakt zu seiner Heimatstadt, greift ihr finanziell unter die Arme, besonders in der schweren Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg, aber auch darüber hinaus.
Scheck fürs Krankenhaus
Die ersten Briefe treffen 1922 im Bad Oldesloer Rathaus ein, man möge den Förderer doch zum Ehrenbürger ernennen. Briefe, die aus Chicago kommen, von einem Rechtsanwalt Jürgens, der anregt, „einem Sohn der Stadt Bad Oldesloe das Ehrenbürgerrecht seiner Stadt zu verleihen“. Doch so einfach ist das nicht. Der damalige Bürgermeister Block weist darauf hin, dass es schon besondere Verdienste sein müssten, die einen Menschen zum Ehrenbürger der Stadt machten, und erwähnt den Bau des dringend erforderlichen Krankenhauses. Mit dem Ergebnis, dass Kruetgen tief in sein gut gefülltes Portemonnaie greift und einen Scheck schickt. Wohlgemerkt nicht als wohltätige Gabe, sondern als Ehrenpflicht, „die zu erfüllen ich dem Drange meines Herzens folge“. Die Ehrenbürgerschaft gibt es trotzdem - noch - nicht, das Geld wird, die Inflation ist groß, schnell in Röntgenapparaturen investiert. Kruetgen folgt weiter dem Drang seines Herzens und spendiert bei der Elektrifizierung der Stadt Kronleuchter für den Rathaussaal, das Gymnasium und die Peter-Paul-Kirche, regelmäßig fließt Geld in die Kasse des Kindervogelschießenvereins.
Fianzierung des Granitkreuzes
Die Finanzierung des sieben Meter hohen Granitkreuzes auf dem neuen Friedhof gibt dann den Ausschlag dafür, dass die Stadtverordneten im Januar 1931 beschließen, Ernst J. Kruetgen die Ehrenbürgerwürde zu verleihen. Die Kirche beteiligt sich übrigens an den Kosten des Ehrenbürgerbriefes.
Ein besonderer Mann
Dass Ernst J. Kruetgen wahrlich ein besonderer Mann ist, heute würde jeder seine Fähigkeit zum Netzwerken hervorheben, zeigt sich zwei Jahre später: US-Präsident Franklin D. Roosevelt ernennt den gebürtigen Bad Oldesloer zum Postmaster von Chicago. In dem damals modernsten Postgebäude der Welt ist Kruetgen Chef von 12 000 Postangestellten, leitet zusätzlich 53 Zweigstellen. Seine Heimat sollte der Oldesloer nie mehr wiedersehen. Er stirbt am 10. Juli 1948. (Text: Kerstin Kuhlmann-Schultz, Foto: Bildband Bad Oldesloe in alten Bildern)
Die fünf Ehrenbürger in Bad Oldesloe
Kriterien für die Ernennung von Ehrenbürgern gibt es in Bad Oldesloe nicht. Die Gemeindevertretung muss die Ernennung beschließen.
Georg Axt wurde 1925 erster Ehrenbürger Oldesloes. Er übte viele Ehrenämter aus, war engagierter Kommunalpolitiker und Vize-Bürgermeister.
Ernst Kruetgen erhielt 1931 von den Oldesloer Stadtverordneten die Auszeichnung.
Georg Koch wurde 1977 für seine Verdienste um die Stadt ernannt. Er war auch 15 Jahre lang Bürgerworthalter.
Walter Busch erhielt die Auszeichnung 1996 für sein Engagement im Sport.
Otto Oellrich ist fünfter Ehrenbürger. Ausgezeichnet wurde Oellrich 2011 für seine Verdienste um die Freiwillige Feuerwehr Bad Oldesloe und seinen Einsatz für die Bürger der Stadt.
04.01.2012, PK
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