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Die Familienhelferin

Geist & Seele

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Die Familienhelferin

Sie kommt, wenn das Leben aus dem Tritt gerät - Kirstin Schumacher aus Malente unterstützt Familien in schwierigen Situationen und sieht sich als „Assistentin".

 

 

Was, wenn niemand mal sagt: „Macht nichts, nicht so schlimm", oder: „Gut gemacht"? Was, wenn niemand ab und an die Kinder nimmt, nur für zwei Stunden? Was, wenn niemand auf einen Kaffee vorbeischaut oder anruft: „Komm mit auf den Spielplatz"? „Isolation kann ein wirkliches Problem sein", weiß Kirstin Schumacher. Die Familienhelferin hat nicht mit den großen Dramen zu tun, mit Gewalt oder Alkoholismus oder drastisch vermüllten Wohnungen. Sondern oft mit Familien, speziell Müttern, denen Kontakte fehlen - Verwandte, Freunde oder Nachbarn, die einspringen oder einfach ein paar aufmunternde Worte sagen.

Wenn Strukturen zerbrechen

Die 42-Jährige besucht im Auftrag des Familienzentrums Eutin im Rahmen der „Frühen Hilfen" Familien, die aus dem Tritt gekommen sind, bei denen es nicht mehr läuft. Arbeitslosigkeit und finanzielle Sorgen, ein Umzug oder der Tod eines Angehörigen, ein schwere Krankheit: „Dadurch gehen Strukturen verloren. Eltern, besonders Mütter, sind überfordert", erklärt Kirstin Schumacher. Da sitzen dann zwei Erwachsene und zwei Kinder in einer Wohnung, ohne Kontakte zu anderen Menschen, und dann entstehen Aggressionen - oder Gleichgültigkeit macht sich breit. „Kinder werden sich selbst überlassen, sitzen im Zweifelsfall nur noch vor dem Fernseher." Manchmal ist es Schlafmangel, der die Mutter zermürbt, „die braucht dann ein positives Feedback", sagt Kirstin Schumacher.

Viele kleine Maßnahmen

Sie kommt aber nur, wenn sie gerufen wird, meint: Betroffene müssen um Hilfe bitten - was voraussetzt, dass sie überhaupt erkennen, dass sie Unterstützung benötigen. Ein großer Schritt. „Ja", sagt Kirstin Schumacher. „Die Familien müssen aber an den Punkt kommen, an dem sie merken: Es geht so nicht weiter." Mit der Familienhelferin soll es weitergehen. Kleine Maßnahmen, behutsame Anstöße, vor allem aber viel Pragmatismus bestimmen ihre Arbeit. „Ich beobachte zu Anfang viel, so neutral wie möglich", berichtet sie, „überlege, welche Hilfe am sinnvollsten ist." Eine Wohnung stürmen und erst einmal aufräumen - das funktioniere nicht: „Ich will ja nicht das Leben der Familien umkrempeln, und ich bin auch keine Haushaltshilfe oder Kinderbetreuerin."

Das Chaos durchbrechen

Kirstin Schumacher versucht, Tagesabläufe wieder herzustellen, „das Chaos zu unterbrechen". Rausgehen mit den Kindern, einen Haushaltsplan aufstellen, einen Kita-Platz organisieren - dazu regt sie an, begleitet Mutter oder Vater zu Ämtern, stellt bei einer Jobsuche Kontakte her, gibt Ernährungstipps. „Ich sehe mich als Familienassistentin", meint sie, „ich greife ein, bevor eine Situation eskaliert."

Ehrenamt

Maximal drei Monate lang betreut Kirstin Schumacher eine Familie, besucht sie einmal oder zweimal die Woche. Ehrenamtlich - hauptberuflich arbeitet die zweifache Mutter als Verwaltungsbeamtin. Doch, sie habe ihren „Schützlingen" auch schon mal ihre Handynummer gegeben, sagt sie, „wir müssen aber nicht 24 Stunden am Tag erreichbar sein". Sie wolle sich nicht unentbehrlich machen, „sondern Hilfe zur Selbsthilfe leisten". Ihr Mann und ihre Kinder hätten für ihren Einsatz Verständnis, „sie wissen, dass es anderen nicht so gut geht wie ihnen, und dass soziales Engagement wichtig ist".

"Ein schönes Gefühl"

Ein halbes Jahr hat die Schulung zur Familienhelferin in Anspruch genommen. Härtefälle betreut Kirstin Schumacher nicht, „bei Missbrauch, Gewalt oder Suchtproblemen würde ich die Familie abgeben". Macht es Spaß, sich zu engagieren? Kirstin Schumacher überlegt. „Spaß ist nicht der richtige Ausdruck", erklärt sie dann. „Aber es ist ein schönes Gefühl, wenn man sieht, dass man mit kleinen Hilfen Familien wieder auf den Weg bringen kann." Ihr gehe es vor allem um die Kinder: „Mir macht es Freude, wenn die Eltern ihren Kindern wieder positive Gefühle entgegenbringen können."  (Text und Foto: Sabine Latzel)

 

 

13.12.2011, PK

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