Die Online-Hilfsorganisation 2aid.org
Die Studentin Anna Vikky hat eine Hilfsorganisation gegründet, die bereits als „die modernste Deutschlands“ gilt: 2aid.org setzt konsequent auf Internet und Mitbestimmung.
Hah, hier ist der Beweis: Weltretten macht sexy!“, heißt es in der Statusmeldung. „Weltverbesserer werden bei der Partnerwahl bevorteilt. :) Also macht alle mit!“ Locker geht es zu auf der Facebook-Seite von 2aid.org, jeden Tag schreiben Anna Vikky (24) und ihre ehrenamtlichen Mitstreiter dort Nachrichten. „Uiuiuiui, laut ,Welt-Online? sind wir ,Deutschlands modernste Hilfsorganisation?. Das geht runter wie Öl!“, freuen sie sich da über einen Pressebericht, sie vermelden Anrufe vom Projektpartner aus Uganda oder erklären, wie man seine eigene Spenden-Aktion starten kann.
Anna Vikky (24), Gründerin von 2aid.org
Der „Jetzt Spenden“-Knopf ist stets nur einen Klick weit entfernt - komfortabel lässt sich auswählen, ob man zum Beispiel 5 Menschen helfen, also 25 Euro spenden möchte, oder gar 100 (macht 500 Euro). Das Geld wird über Lastschrift oder Paypal angewiesen. Die Hemmschwelle ist niedrig, immer mehr Menschen machen mit.
Ein starkes Team
Als Anna Vicky ihre Organisation im Juli 2009 ins Leben rief, kamen der Zahnmedizin-Studentin Social Media wie gerufen. „In kürzester Zeit habe ich Mitstreiter mit ähnlichen Zielen gefunden. Daraus sind ein starkes Team und viele Partnerschaften mit Experten entstanden, so dass die Umsetzung unserer Pläne schnell realistische Züge angenommen hat“, sagte sie damals im Interview. Mit „2aid“ hat Vikky damals die erste Charity-Plattform Deutschlands gegründet, die über Portale wie Facebook, Xing, Twitter oder Studi-VZ gesteuert wird .
Jung, dynamisch, glücklich: So bedankte sich das Team der Hilfsorganisation zum Jahreswechsel bei seinen Spendern.
Schon als Düsseldorfer Schülerin hat Anna Vikky regelmäßig ihr Sparschwein für die tamilischen Verwandten geleert. Als der Tsunami an Weihnachten vor sieben Jahren auch Teile Sri Lankas verwüstete, stand sie gemeinsam mit Freunden auf der Straße, um für die Opfer der riesigen Flutwelle Spenden zu sammeln. Und war danach enttäuscht. „Wir wussten nicht genau, wen wir mit den Spenden erreichen und wie viel von dem Geld vor Ort tatsächlich ankommt“, erzählt Vikky.
Internet statt Straße
Trotzdem ließ sie der Gedanke nicht los, etwas für die Menschen zu tun, die täglich um ihre Existenz kämpfen müssen. Heute gehört das Spendensammeln zum Alltag der Heidelberger Studentin. Dafür geht sie aber nicht mehr auf die Straße, sondern ins Internet.
„Bei uns können die Leute per Umfrage abstimmen, was mit ihren Spenden geschieht“, erklärt Vikky die Besonderheit. Beim ersten Projekt entschied sich die Mehrheit für das Thema Wasser, weil eine Milliarde Menschen kein sauberes Trinkwasser hat und deshalb fast alle 15 Sekunden ein Kind stirbt. Mit Spenden von rund 35 000 Euro finanzierte „2aid“ bislang 19 Projekte, darunter den Bau von sechs Brunnen in Uganda. Gemessen am Spendenaufkommen bekannter Hilfswerke ist das wenig. Bislang machten Onlinespenden in Deutschland Studien zufolge auch unter zehn Prozent des Spendenvolumens aus.
Die Zukunft der Hilfsorganisationen
Dennoch: Kleinen Organisationen wie „2aid“ gehört die Zukunft, meint die Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats, Daniela Felser. Denn im Internet könne nicht nur schnell und umfassend über ein Projekt informiert werden, es sei auch eine größere Transparenz und Interaktivität möglich. „Die Spender wollen heute wissen, was genau mit ihrem Geld geschieht.“
Deshalb rufen Anna Vikky und ihr zehnköpfiges Team, darunter sieben Studenten, nicht nur zu Spenden auf. Sie dokumentieren auch regelmäßig den Fortschritt der Projekte. Fotos und Videos der Brunnenbaustellen in Uganda werden in Blogs, auf Facebook und der Webseite veröffentlicht. „Unter dem Motto ,Erlebe deine Hilfe? sollen die Leute sehen und lesen können, dass ihr Geld auch tatsächlich ankommt“, sagt Vikky.
(Text: Sabine Damaschke und Annika Reichardt, Fotos: 2aid.org(2)/Falco Peters)
www.2aid.org
Online-Spenden - Tendenz steigend
10 Prozent - so hoch lag 2010 in Deutschland laut dem IT-Branchenverband Bitkom der Anteil der übers Internet abgegebenen Spenden, Tendenz steigend. In den USA werden Studien zufolge vor allem nach Katastrophen bereits bis zu 50 Prozent online getätigt. Die meisten Wohltäter, gut 60 Prozent, spenden hierzulande noch per Banküberweisung, 32 Prozent in bar.
Foto ganz oben: Erfolgsprojekt „Wasser ist Leben“ in Uganda: Ein kleiner Junge wäscht sich am spendenfinanzierten Kafuredi-Brunnen die Hände.
17.01.2012, PK
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