Fotoband von Susanne Schapowalow
Der erste Fotoband von Susanne Schapowalow ist erschienen.
Malente - Susanne Schapowalow begründete eine Fotografendynastie und ist selbst eine der bemerkenswertesten deutschen Fotografen des 20. Jahrhunderts. Jahrzehnte nachdem sie auf dem Höhepunkt ihres Ruhms als Fotografin stand, ist sie nicht nur wiederentdeckt worden, sondern ist auch der erste Fotoband mit ihren Bildern erschienen: „Sophotocated Lady“, ein Wortspiel in Anlehnung an den Duke-Ellington-Titel „Sophisticated Lady“.
Louis Armstrong, wie ihn Susanne Schapowalow in Berlin erlebte: Immer für einen Witz zu haben.
Ohne Blitz
Der großformatige Bildband enthält Jazzphotographien aus den Jahren 1948 bis 1965. Photographien, ganz altmodisch mit ph geschrieben. Genauso altmodisch wie die Kamera von Susanne Schapowalow. Immer fotografierte sie mit ihrer zweiäugigen Rolleiflex. Blitzlicht? Belichtungsmesser? Alles Fremdworte für die Fotografin. Das „available light“, das verfügbare Licht reichte ihr aus, und einen Belichtungsmesser benötigte sie nicht, dafür hatte sie fotografisches Augenmaß. „Natürlich habe ich ein Blitzgerät gehabt, aber wenn man es benutzt, ist die Stimmung weg“, sagt sie.
Alle Größen des Jazz
Die Stimmung, das ist das, was ihre Werke ausmacht. Sie hatte alle Größen des Jazz aus den 40er-, 50er- und 60er-Jahren vor der Kamera, oft ohne dass diese sie bewusst wahrnahmen. „Mutter hat es verstanden, immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein“, sagt ihre Tochter Natascha Brüggemann. Die junge, hübsche und elegante Fotografin hielt sich stets im Hintergrund. Und so sind intensive Porträts entstanden, die die Musiker versonnen, entspannt, fröhlich, albern zeigen. Mit bewusstem Einsatz des Schärfepunktes oder eines Lichtscheines arbeitete Susanne Schapowalow Details heraus. Zugleich sind ihre Porträts Zeugnisse von Mode und Lebensart der damaligen Zeit. Typisch etwa: Auf beinahe jedem zweiten Foto wird geraucht. Schon mal einen Querflötisten gesehen, der mit Zigarette in der Hand spielt? Susanne Schapowalows wunderbares Porträt von Les Spann zeigt genau das. Heute undenkbar.
Les Spann spielte Querflöte in der Quincy-Jones-Bigband - und rauchte schon mal beim Spielen.
Aufbruchsstimmung
Entwickelt hat Susanne Schapowalow die Bilder in ihrer damaligen Hamburger Wohnung, in einem Vier-Quadratmeter-Fotolabor, zu dem Garderobe und Gästeklo umfunktioniert waren. Die Tochter eines Kaufmanns und der Hobby-Fotografin Margarete Wietz wurde in Berlin geboren, wuchs ab ihrem 14. Lebensjahr in Hamburg auf und hatte eher eine Kamera als einen Schreibstift in der Hand. Im Krieg, mit Anfang 20, absolvierte sie bei der Porträtfotografin Olga Linckelmann am Hamburger Jungfernsteig eine Fotografenlehre. Gleich darauf machte sie sich selbstständig. „Es war eine gewisse Aufbruchstimmung“, sagt sie über diese Zeit. „Im Großen und Ganzen habe ich auch Glück gehabt.“ Über Verbindungen zum damaligen NWDR (später: NDR) und über ihren Nachbarn Olaf Hundtwalcker, später Inhaber des Clubs „Jazzhouse“ in Frankfurt, geriet sie an die Jazzmusiker, die in Deutschland gastierten: Louis Armstrong, Duke Ellington, mit dem sie lange befreundet war, Quincy Jones. „Quincy war ein schöner Mann. Wir waren sehr gut befreundet.“ Monatelang reiste sie mit dem Musiker umher, war sogar in den USA. Quincy Jones ist ihr heute noch verbunden, für ihre Fotobuch hat er eine Widmung verfasst: „You will always have an apartment in my heart. Küsschen, Quincy.“
Lange vergessen
Jahrzehntelang waren die Fotografin Susanne Schapowalow und ihre Fotos vergessen. Erst in den vergangenen Jahren erlebten sie eine Renaissance. So wie beim Fotografieren spielte sich Susanne Schapowalow auch in ihrem Leben nach dem Jazz nie in den Vordergrund. Erfolgreich war sie trotzdem mit ihrer eigenen Fotoagentur, die sie 2003 verkaufte.
Susanne Schapowalow in ihrem 90. Lebensjahr: Die Rolleiflex, mit der sie ihre berühmten Fotos machte, nimmt sie nur noch selten zur Hand.
Wegen der Liebe nach Malente
Dass die Fotografin ihren Lebensabend in Malente verbringt, verdankt sie der Liebe. Die führte ihre Tochter nach Malente. Vor drei Jahren zog ihre Mutter zu Natascha Brüggemann, in ein Haus mit wunderbarem Kellersee-Blick. An den Wänden hängen Susanne Schapowalows Lieblingsbilder - nur eine kleine Auswahl. Ihr Archiv umfasst 11 000 Fotos, längst nicht nur von Jazz-Musikern. Sie hat auch Igor Strawinsky, Gottfried Benn, Albert Schweitzer porträtiert. „Ich bin oft danach gegangen, wer mich interessierte, wessen Arbeit mich interessierte. (Text: Susanne Peyronnet)
Foto ganz oben: Selbstbildnis im Spiegel: Susanne Schapowalow als junge Fotografin, die die Stars ablichtete.
31.01.2012, PK
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