Grenzmuseum in Schlutup nach Modernisierung wieder geöffnet
Eine Spende der Jürgen-Wessel-Stiftung ermöglichte die Anschaffung von Mobiliar, Schränken, Vitrinen und Bilderrahmen.
Nach zwei Monaten Pause hat das Grenzmuseum in Schlutup am Sonntag wieder den Betrieb aufgenommen. In dem modernisierten und um einen Raum erweiterten Museum herrschte großer Andrang. Ingrid Schatz, Bürgerschaftsabgeordnete der CDU und seit drei Monaten Vorsitzende des Fördervereins, rechnet in diesem Jahr mit mehr Besuchern als in der Vergangenheit. Bislang suchten rund 2000 Gäste im Jahr die ehrenamtlich betriebene Dokumentationsstätte auf.
Ingrid Schatz, Vorsitzende des Fördervereins, erklärt Torben (8) und Johannes (12) aus Lübeck die Orden der DDR.
Bürger bringen Ausstellungsstücke
Dank einer 15 000-Euro-Spende der Jürgen-Wessel-Stiftung konnte der Verein Mobiliar, Schränke, Vitrinen und Bilderrahmen anschaffen. Ausstellungsstücke, die bislang im Depot schmorten, können jetzt gezeigt werden. Ein Raum, der bislang für Jugendarbeit genutzt wurde, steht nun für die Ausstellung zur Verfügung. „Ein Besucher hat uns einen ABC-Schutzanzug der DDR-Grenztruppen gespendet", erzählt die Vorsitzende, „und die Schaufensterpuppe, die den Anzug trägt, haben wir geschenkt bekommen." Immer wieder bringen Bürger, aber auch Behörden Ausstellungsstücke. Die Stasi-Unterlagenbehörde in Rostock habe Kopien von Dokumenten zur Verfügung gestellt. „Die zeigen, dass es den Schießbefehl an der Grenze gab", sagt Schatz.
Harte Mauern
Die Gefängniszelle, in der sich Schulklassen für einen kurzen Moment einsperren lassen können, hat neue Lampen und ebenfalls Bilderrahmen für die Dokumente erhalten. „Die Mauern sind so hart, dass wir Spezialbohrer brauchten, um die Rahmen zu befestigen", erzählt die Vereinsvorsitzende. In der Ecke der Zelle, neben der originalgetreuen Pritsche, hat der Verein eine DDR-Fahne ausgebreitet und die Uniform eines westlichen Grenzbeamten darauf gestellt. „Das soll zeigen, dass West und Ost vereint sind."
Hilfskraft gewünscht
Seit sechs Jahren besteht die Einrichtung. Die drohende Schließung ist abgewendet. Der Förderverein und die Stadt haben einen neuen Vertrag abgeschlossen, die Mietzahlung ist vom Tisch. Alle anderen Kosten, die anfallen, müsse der Verein tragen, erklärt die CDU-Politikerin. „Glücklich wäre ich, wenn uns jemand 4000 Euro im Jahr geben würde, damit wir eine Hilfskraft bezahlen könnten." Der Kampf gegen die Mietzahlung hat dem kleinen Museum eine große öffentliche Wahrnehmung beschert. Bustouristen reisen an, Wandergruppen melden sich an, Schulklassen lernen eine vergangene Welt kennen. „Besonders beeindruckend finde ich die dicken Stahlstreben aus den Sicherheitszäunen", sagt der zwölfjährige Johannes aus Lübeck, „das finde ich einfach unmenschlich."
(Text: Dor, Foto: Wolfgang Maxwitat)
Grenzmuseum in Schlutup Mecklenburger Str. 12, 23568 Lübeck www.grenze-luebeck.de
07.02.2012, PK
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