Kleine archäologische Sensation: Skelette in der Ostsee entdeckt
Familie entdeckte beim Baden vor Heiligenhafen tierische und menschliche Knochen. Jetzt beginnen die Ausgrabungen. Vermutet werden Pestopfer aus der Zeit um 1350.
Die archäologische Fundstelle unter Wasser wurde jetzt erst einmal mit einer Plane und schweren Steinen zugedeckt, damit sich keine Unbefugten dort zu schaffen machen. Und damit keine Badenden, die an der einsamen Stelle in der Ostsee unweit des Steilufers von Heiligenhafen allerdings die Ausnahme sind, einen Schrecken bekommen. Wie vor etwa einem Jahr die Familie Iven aus Lübeck, die ganz in der Nähe der Fundstelle in der nördlichen Eichholzniederung ein Ferienhaus besitzt. Im etwa hüfttiefen Wasser ihrer Badestelle fanden sie im letzten Sommer einige vollständige Tierskelette auf dem Meeresgrund, die von den Wellen freigespült worden waren. Da selbst der Laie erkennen konnte, dass es sich um Knochen älteren Datums handelt, benachrichtigte die Familie das Archäologische Landesamt Schleswig.
Dessen Leiter Dr. Sönke Hartz bezeichnet die Funde als einen Glücksfall, zumal komplette Tierskelette eine kleine archäologische Sensation bedeuten. „Tierknochen liegen normalerweise nur als ehemalige Schlachtabfälle und unvollständig vor", erklärt auch Hubert Kraus, Grabungsleiter und Leiter des Tauchzentrums der Universität Kiel, die jetzt mit dem Fall betraut wurde. Im nächsten Monat soll die Stelle von einem archäologischen Team gründlich untersucht werden und es sollen Grabungen unter Wasser durchgeführt werden. Dabei geht es um wertvolle historische Aufschlüsse über die Heiligenhafener Geschichte, so Hubert Kraus.
Auch einige Tierschädel, unter anderem von Pferden, Rindern, Schafen und Schweinen, wurden auf dem Meeresboden gefunden.
Bereits Ende der 70er-Jahre wurden zahlreiche Tierskelette in einem Moor westlich von Heiligenhafen entdeckt. Die Wissenschaftler datieren die Funde auf die Zeit um 1350. In einer Publikation als „mögliche Mooropfer für heidnische Rituale" bezeichnet, gerieten diese Skelette danach jedoch wieder in Vergessenheit.
Nun jedoch gelangen sie zu neuer Aktualität. Denn die in jüngster Zeit von den Badenden in der Ostsee gefundenen Skelette stehen wahrscheinlich in engem Zusammenhang mit den Funden aus den 70er-Jahren, vermuten die Wissenschaftler. Wo heute die Wellen der Ostsee plätschern, befanden sich vor Jahrhunderten nämlich noch Ausläufer jenes Moores, aus dem die vergessenen Funde stammen.
Ausgrabungsleiter Hubert Kraus selbst glaubt nicht an Mooropfer. Aufgrund der Fundumstände - bislang wurden die Skelette von neun Pferden und acht Rindern sowie Schafs- und Schweineskelette sowie einzelne menschliche Knochen gefunden - hält Kraus eine Flutkatastrophe oder eine Unterversorgung des Viehs wegen der damals herrschenden Pest für möglich.
Grabungsleiter und Vorsitzender der Forschungstaucher Hubert Kraus zeigt einen der sichergestellten Menschenknochen.

Fein säuberlich wurden die Knochen sortiert, nummeriert und zur genaueren Bestimmung in die Uni Kiel transportiert.
Foto ganz oben: Ein erster Tauchgang von Wissenschaftlern der Forschungstauchervereinigung Kiel förderte Erstaunliches zu Tage: Ganze Tierskelette ruhen auf dem Boden der Ostsee vor der Steilküste Heiligenhafens. Links sind die Kiefer und Zähne eines Pferdes zu erkennen. Foto: SDA Kiel
26.07.2011, PK
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