Thomas Mann am Theater Lübeck
Am Theater Lübeck hatte jetzt die Bühnenfassung von „Joseph und seine Brüder“ Premiere.
Lübeck - Es ist das Großprojekt der Saison im Lübecker Schauspiel. Thomas Manns riesige Tetralogie „Joseph und seine Brüder“ hat der Dramaturg und Autor John von Düffel in eine Theaterfassung verwandelt, die vor zwei Jahren in Düsseldorf uraufgeführt wurde und die sechs Stunden dauerte. Für das Theater Lübeck hat von Düffel seine Fassung nochmals überarbeitet, im Großen Haus in der Beckergrube dauert „Joseph“ vier Stunden. „Wir haben gemeinsam mit John von Düffel den Text von 180 auf 120 Seiten gekürzt“, sagt Schauspiel-Dramaturg Peter Helling. „Es ist immer noch ein gewaltiger Textberg geblieben, aber wir spielen den Joseph in drei Akten mit zwei Pausen.“ Und in der zweiten Pause wird es dann auch kulinarisch biblisch: In allen Foyers wird Linsensuppe serviert (Foto) - für ein Linsengericht hatte ja bekanntlich Josephs Vater Jaakob seinem Zwillingsbruder Esau das Erstgeburtsrecht abgekauft.
Regie führt in dieser fünften Thomas-Mann-Dramatisierung am Theater Lübeck Andreas Nathusius, der hier zuletzt einen herausragenden „Nathan der Weise“ herausgebracht hat. „Die drei Akte werden sich in ihrer Ästhetik stark unterscheiden“, sagt Schauspieldirektor Pit Holzwarth zu dem Projekt. „Im ersten Akt zeigen wir eine archaische Welt, eine Welt des Ursprungs, eine Wüste, in der die Mythen noch lebendig sind. Im zweiten Akt, der in Potiphars Haus in Ägypten spielt, gelangt Joseph dann in die Zivilisation. Im dritten Akt schließlich befinden wir uns in der Gegenwart, er ist am Hofe des Pharao angesiedelt, in unserer Gegenwart. Der Hof ist eine moderne Machtzentrale, in der die alten Mythen dennoch weiter ihre Rolle spielen. Und natürlich auch Gott.“
Die Produktion steht dann auch unter dem Motto „Eine Stadt sucht ihren Gott“, die beiden großen christlichen Kirchen werden „Joseph und seine Brüder“ begleiten. Der katholische Propst Franz Mecklenfeld ist erfreut über diese biblische Geschichte, die im Theater zu sehen sein wird: „Es geht um das Hoffen auf Gott und um das Vertrauen in Gott in Zeiten des Verrats und des moralischen Verfalls - dieses Thema ist aktuell wie selten zuvor. In der Jugendarbeit und auch im katholischen Religionsunterricht werden wir dieses Gleichnis auf die Freiheit des einzelnen, das Thomas Mann geschrieben hat, intensiv behandeln.“ Auch der evangelische Pastor Robert Pfeifer, im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg für die Konfirmandenarbeit zuständig, sieht in der „Joseph“-Produktion eine Chance für die Kirche: „Das ist ein Projekt, von dem wir als Religionspädagogen etwas haben und das sehr viele junge Menschen ansprechen wird.“
Obwohl es im biblischen Text ebenso wie in Thomas Manns vier Romanen Frauengestalten gibt, werden in der Lübecker Fassung alle Rollen von Männern gespielt. Dramaturg Peter Helling: „Wir haben uns so entschieden, weil es im Prinzip eine Geschichte von Vätern und Söhnen ist. Deshalb stellen wir neun Schauspieler auf die Bühne, die jeder drei bis vier Rollen übernehmen müssen. Wir erwarten, dass durch die reine Männerbesetzung der Fokus mehr auf das Erzählen der Geschichte gelegt wird.“
17.09.2011, PK
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