Ein bisschen Abenteuer, viel heile Welt
Dora Heldt ist eine Star-Autorin, die kaum jemand kennt. Aber Millionen lesen ihre Bücher - und auch ihr neuer Roman wird verfilmt.
Dora Heldt ist Bärbel Schmidt. Ihr Schriftsteller-Pseudonym hat sie von der Großmutter mütterlicherseits ausgeliehen, die eine tapfere Frau war. Von ihr hat sie auch ein Motto als ihren Lebens- und Arbeitsleitspruch übernommen: „Du musst, du kannst.“ Das hat ihr großen Erfolg gebracht und viel Geld beschert. Die meisten der angesehenen deutschen Schriftsteller können da nicht mithalten. Nicht im Geringsten. Für die Mehrzahl ihrer Leser, mehr als 90 Prozent Frauen, ist Dora Heldt eine Heldin.
Ein melancholisches Gefühl
In ihrem neuen Roman „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“ beschreibt die 50-jährige Autorin, wie Frauen sich fühlen, wenn der Tag kommt, an dem sie ein halbes Jahrhundert alt sind. Es ist ein melancholisches, kein trauriges Gefühl.
Ihre Heldin Doris entzieht sich der Familienfeier in einem spießigen Provinzlokal und setzt sich ab in ein Wellnesshotel, in dem sie es sich gutgehen lassen will. Begleitet von zwei ehemaligen Schulfreundinnen.
Überraschende Wendungen
Das wird so beschrieben: „Zu dritt gingen sie nebeneinander die breite Treppe hinunter. Doris in der Mitte in schwarzer, schmaler Hose und schwarzem Pulli, zu dem Katjas grüner Schal drapiert war. Anke in weißer Hose mit einer blauen Bluse von Doris und einem breiten Gürtel von Katja, und schließlich Katja in einem feuerroten Kleid, die Haare zu einem Knoten gesteckt.“ So aufgehübscht und mit Verstärkung erlebt die Heldin natürlich allerhand, und meistens passieren überraschende Wendungen.
Liebe spielt immer eine Rolle, das Meer ist bei Heldt meistens die Kulisse, und die reifen Damen besitzen jedes Mal eine gehörige Portion gesunden Mutterwitz, mit dem sie - nach vielen Irrungen und Wirrungen - am Ende doch alles einigermaßen meistern.
Kontrolliertes Abenteuer
Das, sagt die Autorin, habe sie auf ihren Lesereisen erfahren: „Ältere Frauen sind komischer als jüngere, weil sie weniger Angst haben, ihre Contenance zu verlieren.“ Sie weiß, dass ihre Bücher Schmonzetten sind, glaubt aber fest daran, dass die Leserinnen diese heile Welt wollen. Meeresbrise, Wind im Haar, kontrolliertes Abenteuer und am Ende immer Liebesglück (Sex nur vorsichtig angedeutet).
Ihre Romane sind keine Liebesschnulzen wie die im Heftchenformat, aber sie bedienen zielgenau ein Publikum, das als Lektüre weniger etwas über andere als das eigene Leben haben will. Ihr erster Roman „Ausgeliebt“ vor fünf Jahren war so erfolgreich, weil sie ihre eigene Scheidung literarisch verarbeitete. Sechs Verlage hatten das Manuskript abgelehnt, aber der siebte steigerte damit enorm seinen Umsatz. Inzwischen liegen Heldts Bücher in jeder größeren Buchhandlung aus, und der Deutsche Taschenbuch Verlag, der sie in seiner Reihe „premium“ herausgibt, hat mittlerweile sogar ein eigenes Lektorat für Unterhaltungsliteratur eingerichtet. Es kooperiert mit TV-Sendern, das Fernsehen frisst die Stoffe geradezu. (Text: Roland Mischke, Foto: Bettina Albrod)
„Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“ von Dora Heldt: dtv premium, 336 Seiten, 14,90 Euro
Populär und produktiv
Bärbel Schmidt (*1961) legte sich das Pseudonym Dora Heldt zu, weil sie angeblich keine Namen mit Umlauten mag. Sieben Bücher, darunter ein Jugendroman, hat sie seit 2006 bereits veröffentlicht und damit eine Millionenauflage erzielt. Bevor Dora Heldt Romane schrieb, verkaufte sie Bücher. Nach dem Abitur absolvierte die auf Sylt geborene Bärbel Schmidt eine Buchhändlerlehre in Bonn-Bad Godesberg. Sie arbeitete als Buchhändlerin in Koblenz und Cuxhaven, ab 1992 (bis heute) als Verlagsvertreterin. Heldt/Schmidt lebt in Hamburg.
17.01.2012, PK
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