Ein schönes Stück Erinnerung
Britta von der Lippe und der ehemalige LN-Kulturchef Wolfgang Tschechne haben jetzt einen Auszug aus dem Gesamtwerk des im Sommer 2010 verstorbenen Helmut von der Lippe herausgegeben. Es ist eine Hommage.
„Das Schreiben war seine Welt, daran hat er sich festgehalten“, sagt Britta von der Lippe, während sie in ihrem Kronsforder Wohnzimmer sitzt und in alten Fotos sowie Unterlagen ihres verstorbenen Mannes blättert. Noch zwei Tage, bevor ihr Mann im Juni vergangenen Jahres ins Krankenhaus kam, hatte er eine letzte Glosse für die LN geschrieben. In seiner unnachahmlichen Art, die Wolfgang Tschechne (86) in vielen gemeinsamen LN-Jahren so schätzen lernte. „Helmut von der Lippe“, sagt der einstige Kulturchef, „hat die Menschen geliebt und ging offen auf sie zu.“
Viele Leser kennen die Glossen, in denen eine gewisse Filippa auftauchte - keine Geringere als Ehefrau Britta war gemeint. „Ich habe die Geschichten immer erst gesehen, wenn sie fertig waren. Und meistens darüber geschmunzelt. Böse gewesen bin ich meinem Mann jedoch nie“, sagt die 68-Jährige.
Irgendwann im Sommer entstand dann die Idee, eine Auswahl aus Helmut von der Lippes gesammelten Werken herauszugeben. In Weiland-Chef Henning Hamkens fanden Britta von der Lippe und Wolfgang Tschechne einen Unterstützer. Immer wieder trafen sie sich, sichteten Material und wählten aus. „Ein Drittel des Buches ist Helmut von der Lippes historischen Stadtbeschreibungen gewidmet, ein Drittel den Menschen seiner Umgebung, ein Drittel seinen Naturbeschreibungen“, sagt Tschechne, der zugleich verrät: „Es sind auch einige wenige witzige Gedichte dabei, die ihren Reiz aus dem Spiel mit der Sprache ziehen.“
Wer sich in das Buch hineinliest, der liest sich folglich auch ein wenig in den Menschen Helmut von der Lippe hinein. Und nicht selten werden für jene, die ihn näher kannten, Erinnerungen wach.
Vieles von dem, was in diesem Buch steht, hat man ja irgendwann in den vergangenen Jahren schon einmal gelesen, und nicht weniges hat sich im eigenen Kopf festgesetzt. Ein Umstand, der dem Leser häufig ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert.
Und ins Herz. Es ist diese warmherzige Sprache eines warmherzigen Mannes, die sich sanft durch das Buch zieht und die den Leser unaufdringlich, aber bestimmt an die Hand nimmt. Helmut von der Lippes Texte spiegeln seine Art, die Welt zu sehen, unaufgeregt wider. Hier und da mag man sie als Huldigung an Lübeck, an seine Stadt, verstehen, dann wieder als eine Liebeserklärung an das Leben und die Natur. Doch selbst, wenn dieser Helmut von der Lippe einmal nachdenklich und scheinbar schwermütig wird, verliert er nie das Schalkhafte, das seinem Wesen so nahe war.
„Aus Liebe zu Lübeck“ ist fraglos mehr als ein Buchtitel. Und dieses Buch ist sicher mehr als eine Lektüre. Es ist ein Stück Erinnerung an einen lieben Menschen. Er hat es verdient. (Text: Uwe Nesemann und Sabine Risch, Foto: Maxwitat)
Hier gibt es das Buch
Das Buch „Aus Liebe zu Lübeck“, erschienen im Weiland Verlag, ist ab sofort in der Buchhandlung Weiland erhältlich. Es kostet 14,95 Euro und ist in einer Auflage von 1000 Stück gedruckt.
Foto: Britta von der Lippe und Wolfgang Tschechne sind die Herausgeber des Buches „Aus Liebe zu Lübeck“.
29.11.2011, PK
|