Jan von der Bank: Hundewache
„Gorch-Fock“-Thriller: Der erste Titel musste entschärft werden, da der Verlag sich wegen der Debatte um die Bark sorgte: Statt „Leichenfänger“ heißt Jan von der Banks zweites Buch „Hundewache“.
Er wollte keine Abrechnung mit der Marine, sondern einfach nur ein spannendes Buch schreiben. Dennoch hat der Eutiner Autor Jan von der Bank mit seinem zweiten Thriller "Hundewache" eine Punktlandung hingelegt, spielt er doch auf dem nach wie vor im Fokus stehenden Segelschulschiff "Gorch Fock". Anfang November 2010 war eine Offiziersanwärterin bei einer Ausbildungsübung in einem brasilianischen Hafen aus der Takelage gestürzt und gestorben. Andere Kadetten hatten sich danach beim Wehrbeauftragten beschwert, sie seien von Vorgesetzten schikaniert, unter Druck gesetzt und sogar sexuell belästigt worden. "Das Manuskript war schon beim Verlag, bevor Anfang 2011 die Diskussion um die Vorkommnisse auf dem Schiff begann", versichert der 44-Jährige. Geradezu verblüffend muten einige Parallelen zwischen Roman ("rein fiktiv!") und wirklichen Vorkommnissen an. Dabei hat Jan von der Bank, der 1987 selbst drei Monate auf der "Gorch Fock" gefahren ist, streng darauf geachtet, seine eigenen Erfahrungen nicht in die Handlung einfließen zu lassen. Es waren nicht die besten: "Die ,Gorch Fock’ erschien mir damals wie ein Traumlos, aber die Euphorie hat keine drei Wochen vorgehalten. " Die hygienischen Verhältnisse seien schlimm gewesen: nur einmal frisches Bettzeug in drei Monaten, eine Wasser-Entsalzungsanlage kaputt, so dass die Crew nicht mehr duschen, sondern sich nur spärlich waschen konnte. Zudem sei viel geklaut worden. Bei Meldung eines Diebstahls sei man noch angepflaumt worden - "dann pass doch besser auf deine Sachen auf". Einige Dinge seien erst beim Lesen seines Tagebuchs wieder hochgekommen. "Ich habe das damals konsequent aufgeschrieben, weil ich später nicht romantisieren, sondern mich erinnern wollte, wie es tatsächlich war. " Am meisten hätte ihm die Sinnlosigkeit zu schaffen gemacht. Die Stammbesatzung habe den Bezug zum alltäglichen Leben verloren, das Bordleben beschreibt er als "rustikal und abgeschmackt". Was in den vergangenen Monaten an Informationen über das Bordleben an die Öffentlichkeit gedrungen sei, habe ihn nicht überrascht, "eher die sehr verspätete Offenlegung der Verhältnisse". Jan von der Bank sagt: "Feingefühl und Weitsicht sind keine Begriffe, die dort Anwendung finden. " Er setzt nach dem Abschlussbericht ("ein Persilschein, die wollen so weitermachen wie bisher") auf die Hartnäckigkeit des Wehrbeauftragten. Denn sein Herz schlägt für das Segelschulschiff: "Ich wünsche mir, dass es weiterfährt. Es ist ein tolles Bild, die ,Gorch Fock’ unter Segeln zu sehen. " Für sein zweites Buch hat von der Bank viel nachrecherchiert: Literatur durchgeackert, auch hat er sich 2010 vor dem Auslaufen des Schiffes noch einmal an Bord umgesehen. "Damit alles, was ich schildere, auch stimmig ist. " Ursprünglich sollte der Titel "Leichenfänger" heißen. Der Begriff aus der Nautik bezeichnet ein Sicherungsnetz an der Reling, das verhindern soll, dass ein Seemann über Bord geht. "Weil schon so viel Sprengkraft in der ,Gorch Fock’-Diskussion steckte, war das dem Verlag zu scharf. Aber ,Hundewache’ passt auch sehr gut, weil ich tatsächlich viel nachts an dem Buch gearbeitet habe. " Sein Herangehen an ein Werk erklärt der Autor so: erst einen schlüssigen Plot mit Spannungsbogen schaffen, "das Fleisch kommt beim Schreiben". Wichtig ist ihm, nicht nur die Krimischiene zu bedienen, es solle auch um sonnigere Gefühle gehen. "Ich bin ein Freund des Happy Ends", sagt Jan von der Bank und lacht. (Text und Foto: Ulrike Benthien)
Mord auf dem Atlantik – Lesung in der Eutiner Landesbibliothek
"Hundewache" - das ist die Wache zwischen Mitternacht und vier Uhr morgens, wenn die Nacht am dunkelsten ist. Die Zeit, in der ein Mörder auf der "Gorch Fock", die unterwegs auf dem Atlantik ist, herumschleicht und mehrere junge Männer tötet. Sie alle haben, als das Segelschulschiff noch im Heimathafen lag, bei der Kieler Woche an einer Kutterregatta teilgenommen. Auf einer anschließenden Party war ein junges Mädchen verschwunden, später vergewaltigt und ermordet aufgefunden worden. Die jungen Kuttersegler standen unter Verdacht, konnten jedoch alle ein Alibi vorweisen und daher mit ihrem Schiff auslaufen. Auch Thies Hansen gehörte zu der Kuttercrew, sein erster Törn als Offiziersanwärter auf der "Gorch Fock" gerät schon bald zu einem Horrortrip. Sein Versuch, den Mörder zu entlarven, kostet ihn fast selbst das Leben.
Jan von der Bank skizziert seine Hauptfigur als hochsensiblen Menschen. "Er ist einer, der bei der Marine eigentlich nichts verloren hat, er will sich nur beweisen, dass er es kann. Seine besonderen Fähigkeiten, sein überempfindliches Gehör befähigen ihn, die Morde aufzuklären. " Unheimlich und düster sei die Stimmung auf dem Schiff, was das Titelbild trefflich wiedergebe, konstatiert der Autor.
Verlag: "Hundewache" ist bei Ullstein erschienen, 416 Seiten, 9,95 Euro. Jan von der Bank
Seit gestern ist sein zweites Buch im Handel, die erste Auflage gleich doppelt so hoch wie die seines Erstlingswerkes "Die Farbe der See": Grund zum Strahlen für Jan von der Bank.
22.03.2011, PK
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