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Rüdiger Nehberg: „Die Natur ist unser Partner

Literatur

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Rüdiger Nehberg: „Die Natur ist unser Partner"

Sein Buch heißt "Überleben ums Verrecken". Und er kennt sich aus: Interview mit Survival-Papst Rüdiger Nehberg über anerzogenen Ekel und darüber, was wir von den Naturvölkern lernen können.


 

Rüdiger Nehberg (76), auch „Sir Vival" genannt, gilt als der Papst der Überlebenstechniken. Er ist das große Vorbild von Tobias Krüger, die beiden kennen sich jedoch nicht. Nehberg, gelernter Konditormeister aus Rausdorf (Stormarn) bezwang 1972 in einem selbstgebauten Boot den Blauen Nil. 1980 begann sein Kampf für die Rechte der Yanomami-Indianer in Brasilien. 1981 durchquerte er Deutschland zu Fuß und ernährte sich von Gefundenem. 2000 überquerte er den Atlantik auf einer massiven Tanne.

 

Survival ist Ihr Leben. Viele eifern Ihnen nach. Wie wichtig ist es heute in unserer Gesellschaft, sich mit so etwas auseinanderzusetzen?

 

Rüdiger Nehberg: Wir alle können jederzeit in Situationen geraten, in denen Überlebenstechniken wichtig werden. Sei es bei einem Flugzeugabsturz im Urwald, nach Katastrophen oder ganz einfach bei einem Stromausfall.

 

Heißt das, wir sollten alle einmal probieren Insekten zu essen?

 

Nehberg: Den Ekel vor Insekten zu überwinden kann einem in bestimmten Situationen das Leben retten. In anderen Kulturen gehören sie zum Speiseplan. Aber wir in Europa müssen deshalb nicht umdenken. Bei uns ist das Nahrungsangebot auch so groß genug.

 

Hat Ekel nicht auch eine natürliche Schutzfunktion?

 

Nehberg: Ja. Man muss zwischen begründetem und unbegründetem Ekel unterscheiden. Begründet ist etwa der Ekel vor Verwesendem. Ekel würde ich mir nie völlig abtrainieren, genau wie Angst. Aber man kann lernen, damit umzugehen. Bevor ich den Atlantik mit einem Baum-Boot überquerte, hatte ich wahnsinnige Angst vor wilden Wassern. Ich nahm an einem Training der Kampfschwimmer in Eckernförde teil. Die warfen mich gefesselt ins Wasser. Ich geriet in Panik und ging unter. Dann habe ich gelernt, kühlen Kopf zu bewahren und oben zu bleiben.

 

Sie engagieren sich für bedrohte Völker wie die Yanomami-Indianer in Südamerika. Was können wir von Naturvölkern lernen?

 

Nehberg: Mehr Bescheidenheit. Die Yanomami kennen keine Überbevölkerung, keinen Müll und keinen Fortschrittsglauben. Sie empfinden keine Gier nach Luxus.

 

Kann es sein, das Naturerleben und Religion zusammenhängen?

 

BLICK_SURVIVAL_NEHBERG_RuedNehberg: Auf sich gestellt in der Natur wird einem klar, dass es eine Schöpfungskraft gibt, der man ausgeliefert ist, die einen ungefragt in die Welt gesetzt hat und einen, wie in meinem Fall, schließlich rapide zu recyceln beginnt. Um damit klarzukommen, hat der Mensch seinen Verstand.

 

Es gibt viele Survival-Handbücher, Sie haben eines der bekanntesten verfasst. Doch sind wir notfalls nicht auch selbst in der Lage zu erkennen, was zu tun ist?

 

Nehberg: Ja, Not macht erfinderisch. Man kommt schnell darauf, mit einem Grabestock oder einem scharfen Stein in der Erde nach Nahrung zu graben. Und merkt, dass man auch mit seiner Energie sparsam umgehen muss. Die meiste Energie verbraucht der Körper, um seine Temperatur auf 37 Grad zu halten. Warme Kleidung hilft. Die Natur ist nicht unser Gegner - sie ist ein Partner. Wenn wir das verstehen, können wir auch lernen, verantwortungsbewusster mit unserer Umwelt umzugehen. (Interview: Marcus Stöcklin)

„Überleben ums Verrecken",

Rüdiger Nehberg, Serie Piper,

12,95 Euro ISBN13 978-3-492-24410-7

 

 

27.01.2012, PK

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