Sehnsuchtsort Hafen
Es ist eine Liebeserklärung an das maritime Lübeck: das Buch „Stadthafen Lübeck - Kogge, Kaikante und Sturmvögel“, das jetzt in der Essigfabrik vorgestellt wurde.
Man muss schon einen besonderen Blick haben, von einer gewissen Sehnsucht getrieben sein und die Stadt lieben, um ein solches Buch zu machen. Christiane Schröder, gebürtige Lübeckerin, leidenschaftliche Wassersportlerin, Fotografin und studierte Fotodesignerin, bringt all diese Eigenschaften mit.
Streifzüge durch die Häfen
Ein Jahr lang hat sie allerlei Aspekte des Lübecker Stadthafens ins rechte Licht gesetzt, hat Kapitäne und Skipper bei der Arbeit begleitet, nächtliche Streifzüge durch die Lübecker Stadthäfen unternommen, unabhängig von Wind und Wetter Atmosphäre eingefangen. Vor allem der nächtliche Blick aufs Wasser hat es ihr angetan, „Nocturne Lubeca“ sind die Aufnahmen überschrieben. Die Texte zu den Bildern hat Winfried Konrad geschrieben. Zunächst erzählt er - in Gestalt einer Kogge - die Geschichte der Hansestadt, dann informiert er über die Gegenwart, um schließlich in die Zukunft zu blicken und zu appellieren: „Ich bin die Kogge und ich bitte euch: Lasst den Geist der Hanse weiterhin im Hafen wehen!“
„Nachts um halb eins auf der Drehbrücke“: Manuela Lampe und Norbert Urban tauchen in „Nocturne Lubeca“ immer wieder auf.
Sehnsuchtsorte
Christiane Schröder möchte mit ihrem Buch, dessen Herausgeber der Verein Museumshafen ist, „die Leute einladen, die Stadt mit offenen Augen zu durchwandern“. Björn Engholm, der Vor- und Nachwort zu „Kogge, Kaikante und Sturmvögel“ geschrieben hat, spricht von Häfen als Sehnsuchtsorten. Emotionalen Zugang zu einem solchen Sehnsuchtsort eröffne, nur wenige Gehminuten von St. Marien entfernt, der Museumshafen. Zu dem Projekt kam es, als die Sehnsucht nach dem Meer und der Heimatstadt die inzwischen 48-jährige Fotografin nach zehn Berliner Jahren wieder nach Lübeck zurückgezogen hatte.
Auftrag von Engholm
Schon ihr erster Auftrag war maritimer Art - sie fotografierte für die TT-Line. Wenig später bat Björn Engholm sie, zum 75-jährigen Bestehen der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) ein Heft im Stile der Reihe von Kalle Augsten zu erstellen. Der Fotograf und Chef der Werbeagentur „Mikado“ hatte eine ganze Serie zur Stadtgeschichte und Stadtgegenwart herausgegeben - ein Format, das abrupt mit dem Tod Augstens im Jahr 2007 eingestellt worden war. Ihr sogenannter „Band 0“ erschien 2010, danach trat ein Freund von Augsten an Schröder heran, die wiederum die Akteure vom Verein Museumshafen ansprach.
Das multikulturelle Lübeck
Viele - wie die Marianne Dräger Stiftung, die Possehl-Stiftung, die Gemeinnützige Sparkassenstiftung, die Spedition Bruhn und die LHG - haben das Projekt finanziell gefördert, andere standen mit Rat und Tat zur Seite. Kaum ist Band 1 erschienen, ist schon das nächste Projekt in Arbeit: „Im zweiten Band soll es um das multikulturelle Lübeck gehen“, verrät Christiane Schröder, die dafür auch in Brasilien fotografiert hat. Wie sie, die in der Straße Kleine Altefähre ihr Fotografie-Kontor „Silent Blue“ betreibt, viel und gern in der Welt unterwegs ist - was sich kaum vermeiden lässt, wenn man sich die Bereiche Transport und Logistik als Schwerpunkt gesucht hat. (Text: Sabine Risch, Fotos: Schröder, Heinemann)
Vernissage und Buch
Die Bilder aus dem Buch „Stadthafen Lübeck - Kogge, Kaikante und Sturmvögel“ sind noch bis zum 15. Februar in der Galerie Essig, Kanalstraße 26-28, zu sehen. www.essigfabrik-luebeck.de
Öffnungszeiten: mittwochs und donnerstags von 12 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung unter Telefon 04 51/80 20 42.
Am Dienstag, 14. Februar, ist Christiane Schröder von 12 bis 18 Uhr in der Ausstellung.
Das Buch ist ab sofort für 8,70 Euro erhältlich bei Weiland, beim Verlag Schmidt-Römhild oder im Drehbrückenhaus des Vereins Museumshafen.
Foto ganz oben: Christiane Schröder bei der Arbeit - hier auf der Eric-Warburg-Brücke.
04.02.2012, PK
|