Möllner Strandkörbe für die Küste
Ihre Strandkörbe stehen an Nord- und Ostsee - bis zu 4000 fertigt die Firma Eggers in Mölln pro Jahr.
Einen Konstruktionsplan gibt es nicht. Den Bau von Strandkörben beherrschen die Eggers aus dem Effeff. Bis zu 4000 Körbe produziert das Familienunternehmen in Mölln (Herzogtum Lauenburg) pro Jahr. Ihre Strandkorbfabrik ist eine der größten in Deutschland. „Wir beliefern alles, was Rang und Namen hat an den Küsten", erzählt Lars Eggers, einer der drei Geschäftsführer. Drei Viertel der Gesamtproduktion gehen an die Strände von Nord- und Ostsee, der Rest wird an Privatleute verkauft. Manchmal reist ein Strandkorb sogar nach Australien oder Amerika.
„Es ist ein rein deutsches Produkt", so Eggers. Den Begriff „Strandkorb" gebe es in anderen Sprachen gar nicht. Vor gut 125 Jahren ist er erfunden worden: Der Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann konstruierte 1882 den ersten Strandkorb, damals noch „Strandstuhl" für die Rheuma-kranke Elfriede von Maltzahn, die sich als Badegast in Warnemünde eine Sitzgelegenheit für den Strand wünschte.
Herrlich gemütlich: Lars Eggers im Strandkorb.
In der Fabrik an der Stolper Straße wird zurzeit auch sonnabends gearbeitet, um alle Bestellungen für die Saison abzuarbeiten. In der Tischlerei kreischt schrill die Säge. Hier werden die tragenden Teile für das Untergestell, den sogenannten Bock, aus Sibirischer Lärche zugeschnitten. Ein Stück entfernt hämmert Thomas Röse den Oberkorb, die Haube, zusammen. Dazu werden die rund gebogenen Holzleisten fest an das Gestell genagelt - nun ist das Endprodukt bereits zu erahnen.
In der Flechterei bekommt der Strandkorb, der im Durchschnitt 15 Jahre halten soll, sein typisches Aussehen. Vier Männer flechten, was das Zeug hält. Mit flinken Fingern winden sie das Kunststoffband im Zickzack um die Staken - immer hin und her. Die Männer wirken konzentriert, sie arbeiten Akkord. „Ein guter Flechter schafft drei bis vier Oberkörbe am Tag", sagt Eggers. 500 Meter Flechtband sind in einem Korb verarbeitet.
Heutzutage wird zumeist Kunststoff verarbeitet. Wer möchte, bekommt den Korb aus Rohrbastgeflecht - wie früher. Das Naturmaterial muss allerdings regelmäßig geölt werden, damit es nicht trocken wird und bricht. Auf Wunsch können auch größere Tischchen gefertigt, Rollen untergebaut und Seitentaschen in den Oberkorb eingenäht werden, dazu werden diverse Kissen und Polster angeboten, damit man sich so richtig einkuscheln kann. Auch Aschenbecher, Licht und Kühlschrank hat Eggers schon eingebaut - etwa bei Strandkörben für Discotheken. Die Preise variieren zwischen 635 Euro für das Basismodell bis 1800 Euro mit waagerechter Liegefläche.
Mit flinken Fingern windet Volker Gittrich das Flechtband um die Staken herum.
Nun fehlt nur noch die Innenausstattung: „Kurverwaltungen ordern meist die klassischen Blockstreifen", berichtet Eggers. Blau-weiß und grün-weiß seien immer gefragt. Dazu werden verschiedenste Markisenstoffe angeboten. In Mölln kann der Kunde zwischen 40 Mustern wählen. Lilia Müller lässt energisch die Nähmaschine rattern - Markisen, Kissen und Schutzhüllen kommen bei ihr in Form. Michael Bachert schließlich kleidet die wuchtigen Sitzmöbel mit Polstern und Stoff aus. Dann heißt es: Bitte Platz nehmen! (Text: Julia Paula, Fotos: Maxwitat)
Lilia Müller lässt die Nähmaschine rattern - sie fertigt Markisen und Kissen.
25 Mitarbeiter an zwei Standorten
1772 wurde „Korbwaren Eggers" gegründet. Zunächst wurden Rohrkörbe und Flechtwaren aller Art gefertigt. Seit 1948 ist das Unternehmen auf Strandkörbe spezialisiert, nachdem Carl Eggers, Sohn des Firmengründers, als Experte in den Harz bestellt worden war, um den Wert einiger Strandkörbe zu schätzen. Eggers kauft selbst einen Strandkorb - als Muster für die Herstellung.
Mit gebogenen Leisten hämmert Thomas Röse den Oberkorb zusammen.
Foto ganz oben: Bei Michael Bachert bekommen die Strandkörbe ihr buntes Innenleben: Er kleidet die Hauben mit fröhlichen Blockstreifen aus.
26.07.2011, PK
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