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Esther Scheerers Mittelaltermode

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Esther Scheerers Mittelaltermode

Alles begann mit einem Ballen uralter Leinwand, den die Kaltenkirchenerin auf dem Dachboden fand. Inzwischen hat sie sich auf das Bearbeiten schwerer Stoffe spezialisiert und fertigt daraus sogar „Zwergencapes".



Ein kurzes Rattern ist zu hören, dann ist die Seitennaht des Kleides geschlossen und Esther Scheerer beginnt, die Säume mit der Hand zu vernähen. Seit etwa vier Jahren näht die ehemalige Raumausstatterin mittelalterliche Gewänder. „Angefangen hat alles mit einem Ballen alter Leinwand, die ich auf dem Dachboden unseres damaligen Hauses bei Bad Schwartau gefunden habe", erzählt sie. Leicht angegilbt, mit unterschiedlicher Struktur und schwer sei der Stoff gewesen: „Über 100 Jahre alt und handgewebt."

 

SE_MITTELALTER_MODE_Sto"Früher gab es Zofen"

Ihre Hände gleiten über das kühle Leinengewebe, sie beginnt zu träumen: „Wenn ich das Leinen anfasse und verarbeite, dann stelle ich mir vor, wie die Frauen damals den Stoff hergestellt haben", sagt die 58-Jährige. Nicht nur die Gewinnung der Flachsfasern sei aufwendig und zeitintensiv gewesen, sondern auch das Spinnen und Weben. Um ein derart altes Gewebe zu würdigen, beschloss sie, ein mittelalterliches Gewand daraus zu nähen. Als es fertig war und sie es anziehen wollte, stellte sie fest, dass sie dazu Hilfe brauchte: „Es war zu schwer, dazu kamen noch die Schnürungen, deshalb hatten die reichen Damen früher Zofen."

 

Mittelalterliche Gewänder wurden
aus schweren Stoffen geschaffen.

In alte Zeit zurückversetzt

Inspiriert durch ihren Sohn Philip, der in der Mittelalter-Szene unterwegs ist, begann sich Esther Scheerer intensiver mit dem Mittelalter zu beschäftigen. Sie recherchierte über Stoffeigenschaften, Mode, Schnittmuster und das Alltagsleben. So entstanden bodenlange schlichte Kleider aus Leinen. Doch auch herrschaftliche Gewänder wollte Esther Scheerer erstellen und so kombinierte sie altes Leinen mit neuen bunten Materialien: „Wenn ich selbst solch ein Kleid trage, fühle ich mich in die alte Zeit zurückversetzt, der Gang wird anders und ich trage das Kleid mit Würde."

 

SE_MITTELALTER_MODE_EstMittelalter im Alltag

Ein bisschen hat das Mittelalter auch auf den Alltag der Scheerers abgefärbt, sie führen ein einfacheres Leben. Weniger konsumieren, dafür mehr selbst machen und der eigenen Kreativität freien Lauf lassen: „Mein Mann und ich haben das Auto abgeschafft, kaufen keine Fertigprodukte mehr und haben Tees als Naturheilmittel wieder entdeckt". Überhaupt gebe es so viele Schätze von früher wieder zu entdecken. Im Augenblick hat sich Esther Scheerer wieder auf alte Stoffe und schlichte Schnitte konzentriert. Zum einen seien die authentischen Kleider mit Schnürungen zu aufwendig und deshalb teuer, zum anderen sei handgewebtes Leinen einfach erhaben. Einen Chor würde sie gern mit den schlichten, schönen Gewändern ausstatten und diesen dann gregorianische Gesänge singen hören: „Das wäre göttlich."

 

Esther Scheerer hat sich auf das
Bearbeiten alter Stoffe spezialisiert.

70 bis 100 Euro pro Gewand

Zurzeit plant sie für den Herbst eine Modenschau in Zusammenarbeit mit dem Kulturhaus Remise in Bad Segeberg. Kleider, Umhänge, Überkleider und „Zwergencapes", die auch mit einer Jeans kombiniert werden können, hat Esther Scheerer im Angebot. Zwischen 70 und 100 Euro kostet das einzelne Gewand. (Text und Fotos: Silvie Domann)

 

Weitere Informationen bei Esther Scheerer
unter der Telefonnummer 0 41 91/8 60 13 36.

 




09.01.2012, PK

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