Sozialkaufhaus in Grevesmühlen feiert fünfjähriges Bestehen
Novi-Life in der Bahnhofstraße bietet Langzeitarbeitslosen eine Chance auf einen Einstieg ins Berufsleben. Fast jeder Zweite schafft den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt.
Grevesmühlen - Die Bilanz ist hervorragend. 213 Männer und Frauen, die Masse jünger als 25 Jahre, haben in den vergangenen fünf Jahren bei Novi-Life in Grevesmühlen einen Lehrgang absolviert. „81 davon haben einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt angetreten oder eine Ausbildung begonnen“, sagt Silvio Heinrich, Teamleiter des Projektes, das in Wismar und Grevesmühlen Einrichtungen betreibt. „Das sind 38 Prozent, das kann sich sehen lassen.“
Moderate Preise
Am 21. November 2006 eröffnete die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) als Träger das Möbelhaus in der Bahnhofstraße in Grevesmühlen. Die Wortschöpfung „Novi-Life“ übersetzen die Mitarbeiter mit „Leben erneuern“. Zwölf Mitarbeiter begannen damals die Eingliederungsmaßnahme der Arge, dem heutigen Jobcenter. In dem Gebäude in Grevesmühlen werden gebrauchte Möbel, Haushaltsgeräte und Fahrräder gesammelt und an bedürftige Familien beziehungsweise Hartz IV-Empfänger verkauft. Wobei die Preise mehr als moderat sind. „Eine Schrankwand zählt als Großmöbel und kostet sechs Euro“, erklärt Silvio Heinrich. Jede Person in einer Bedarfsgemeinschaft darf innerhalb von sechs Monaten nur ein großes Möbelstück erwerben, damit wird sichergestellt, dass die Sachen nicht anschließend wieder verkauft werden.
Berufliche Basis
Die Mitarbeiter, derzeit sind es 25, die vom Jobcenter bezahlt werden, lernen bei Novi-Life, wieder beruflich Fuß zu fassen. Die Möbel müssen abgeholt, aufgearbeitet und schließlich verkauft werden. „Hier wird mit echten Kunden gearbeitet“, betont Silvio Heinrich. „Natürlich dürfen unsere Leute auch Fehler machen, aber sie sollen auch lernen, was das bedeutet.“
Teamleiter Silvio Heinrich erläuterte gestern den Werdegang von Novi-Life in Grevesmühlen seit 2006.
Aus alt mach neu
Die Fahrradwerkstatt kam 2007 dazu. Dort werden die alten Drahtesel wieder flott gemacht und verkauft, zwei Mitarbeiter kümmern sich darum. Doch die meisten der arbeitslosen Männer und Frauen sind mit den Möbeln beschäftigt. Dass das Projekt, durch die Arbeit mit den Bedürftigen die Arbeitslosen zu motivieren, durchaus funktioniert, das sieht auch Thorsten Nappe, Geschäftsführer des Jobcenters Wismar/Nordwestmecklenburg so. „Diese Arbeit ist wertvoll und notwendig.“ Und die Bilanz sei wirklich beeindruckend. Trotzdem sei die aktuelle Lage schwierig. „Im kommenden Jahr hat das Jobcenter rund zehn Millionen Euro für Eingliederungsmaßnahmen zur Verfügung, 2010 waren es noch 24 Millionen für Wismar und Nordwestmecklenburg.“ (Text und Fotos: Michael Prochnow)
Kontakt: Zu erreichen ist die Mannschaft von Novi-Life in der Bahnhofstraße 69 unter 03 881/75 66 45.
21.12.2011, PK
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