Zucker wird teurer
Der Zuckerpreis steigt und steigt. Das bekommen auch Niederegger und Co. zu spüren. Die Zeche zahlt der Verbraucher.
Beißen Sie noch einmal richtig rein ins Marzipanbrot, genießen Sie die edle Tafel Schokolade - und schmieren sie die Marmelade extra dick. Denn der Genuss dieser süßen Sachen könnte bald mehr kosten. Grund: Zucker ist, trotz Rekordernte bei Zuckerrüben, extrem knapp. Das macht ihn teuer. Der Preis für eine Tonne des Rohstoffes ist um fast 100 Euro auf 570 Euro gestiegen. Und ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht. Folge: In diesem jahr wird sich der Verbraucher auf satte Preiserhöhungen einstellen müssen. Unternehmen aus dem Lübecker Raum machen die Politik für die Entwicklung verantwortlich. Vorwurf: Die EU bekomme es mal wieder nicht gebacken.
15 000 Tonnen Kristallzucker
Zu den Betroffenen zählt die Brüggen-Gruppe (Haferflocken, Müsli, Cornflakes). Sie verarbeitet an ihrem Heimatstandort Lübeck sowie in ihren Werken in Frankreich und Polen jährlich 15 000 Tonnen Kristallzucker. Nach Unternehmensangaben haben sich die Beschaffungskosten in der laufenden Saison um mehr als vier Millionen Euro erhöht. Schuld sei die künstlich erzeugte Verknappung des Rohstoffes durch die Zuckermarktordnung der EU. „Die notwendigen Maßnahmen sind der Politik offensichtlich vollkommen aus dem Ruder gelaufen", kommt deutliche Kritik aus dem Hause Brüggen. Die Lebensmittelindustrie stehe vor einem millionenschweren Zuckerdefizit. Sie sei der Preispolitik der Zuckerindustrie, „die diese Situation knallhart ausnutzt", relativ machtlos ausgeliefert.
Kosten weiterreichen
„Wir sind gezwungen, Kostensteigerungen an unsere Kunden weiterzureichen", sagt Brüggen- Einkaufsleiter Sven Sädler. Brüggen produziert überwiegend Handelsmarken für in- und ausländische Supermarktketten und Discounter. Ohne Einfluss auf deren Preispolitik zu haben, liege die Vermutung nahe, dass sich die Verteuerung der Rohmaterialien früher oder später in höheren Verbraucherpreisen niederschlage. Bei Brüggen seien alle Produkte betroffen. Gesellschafter Johannes Brüggen sieht „erheblichen Handlungsbedarf" der Politik. „Die Zuckerpreisexplosion ist nur ein Beispiel für das Versagen eines ursprünglich gut gemeinten Systems der EU-Marktregulierung, das in seiner Umsetzung immer noch zu enormen Fehlentwicklungen führt", sagt er.
Nichtquoten- und Quotenzucker
Harsche Kritik kommt auch aus den Schwartauer Werken. „Wir sehen uns mit zweistelligen Preissteigerungen konfrontiert", klagt Pressereferentin Stephanie Tron. Das betreffe vor allem Zucker und die besonders beliebten Fruchtsorten Erdbeere, Kirsche, Aprikose und Heidelbeere. Man habe sich daher gezwungen gesehen, die Abgabepreise ab Werk im vierten Quartal je nach Produktsegment um bis zu zehn Prozent zu erhöhen. Die Schwartauer Werke gehen davon aus, dass der Handel diese Preiserhöhung weitergeben wird. Die Notmaßnahme der EU, 400 000 Tonnen Nichtquotenzucker in Quotenzucker umzuwandeln, sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Freigabe von Rohstoff-Importen?
Willi Meier, Chef bei Niederegger in Lübeck, sagt: „Wir fordern eine Freigabe für Rohstoff-Importe aus Drittländern." Das sei umso dringlicher, je mehr heimische Zuckerrüben schwachsinnigerweise zu Bioethanol verarbeitet würden. Die Entscheidung über Preiserhöhungen will Niederegger im Januar treffen. Deshalb beißen Sie doch noch einmal genüsslich ins süße Marzipan. (Text: Curd Tönnemann, Foto: Maxwitat)
30.12.2011, PK
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